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OCRL4 - Um den 4. August 1914
LIEBKNECHT Karl (1914) / Édition en ligne
12. November 2014 von eric

Rosa LUXEMBURG, La brochure de Junius, la guerre et l’Internationale ( 1907 - 1916 )

Œuvres complètes, tome IV - Édition en ligne

Bericht Karl Liebknechts über die Sitzung der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion vom 3. August 1914.

Noch wenige Tage vor dem 3. August 1914 wiegten sich viele Genossen in dem Wahne, daß die Ablehnung der Kriegskredite für die Mehrheit der Reichstagsfraktion selbstverständlich und zweifellos sei. Indessen hatten schon Ende Juli... Parteizeitungen und Parteiredner verkündet: die Sozialdemokratie protestiere zwar gegen den Krieg, wenn er aber dennoch komme, so würde sie „dem Vaterlande ihre Hilfe nicht versagen“. Und schon am 1. August verlautete in der bürgerlichen Presse, die Sozialdemokratie werde voraussichtlich am 4. August die Kredite bewilligen. Am 3. August fand die erste und entscheidende Sitzung der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion statt, wo der sofort in alle Welt telegraphierte Bewilligungsbeschluß gefaßt wurde. Bei dieser Gelegenheit stellte sich der Zusammenbruch des sogenannten radikalen Flügels der Fraktion heraus. Von 3 Genossen, Ledebour, Lensch, Liebknecht, wurde in aller Hast — nur Minuten standen zur Verfügung — der notdürftige Entwurf einer der Fraktion vorzuschlagenden Erklärung redigiert, die mit Verweigerung der Kredite schloß.

In der Fraktionssitzung ergriff David als erster das Wort. Er meinte, der Augenblick gebiete, sich von überkommenen Vorstellungen loszusagen und umzulernen; die Sozialdemokratie werde in dieser Zeit noch in vielen Dingen umlernen müssen. Er beantragte im Namen der Mehrheit des Fraktionsvorstandes die Bewilligung der Kredite; sie möge mit einer Erklärung motiviert werden, aber mit einer Erklärung, die alle Polemik vermeide, die sich ohne Vorbehalt schlechthin mit der Regierung und allen bürgerlichen Parteien solidarisch erkläre, was dem Gros der Bewilligungsfreunde immerhin zu weit ging. Für die Bewilligung wurden u. a. die angeblichen feindlichen Invasionen von Ost und West ins Feld geführt, Grenzgeplänkel, denen wichtige deutsche Angriffshandlungen gegenüberstanden (z. B. Besetzung des neutralen Luxemburgs, Beschießung von Libau, die Vorbereitung zum Überfall auf Belgien, die freilich damals dem deutschen Volk noch verschwiegen wurde). Man hörte die Parole: „Gegen den Zarismus“, Bebels Flintenrede, die stereotyp gewordenen literarischen „Beweise“. Es hieß weiter u. a.: „Der Volksstimmung dürfen und können wir uns nicht entgegenwerfen; Jaures Ermordung und die (damals lügenhaft gemeldete!) Ermordung Caillaux zeigen den Hitzegrad der Kriegsstimmung in Frankreich; durch diesen Krieg wird Deutschland Frankreich vom Bündnis mit Rußland befreien; die russische Niederlage bedeutet den Sturz des Zarismus; die deutsche Sozialdemokratie kann sich in einem solchen Moment nicht ausschalten lassen; unsere Organisationen werden vernichtet, zertrümmert, wenn wir die Kredite verweigern, das ,Ja‘ aber wird die Stellung der Sozialdemokratie gewaltig stärken — die Regierung wird nicht mehr in der Lage sein, diese Partei als außerhalb der Gesetze stehend zu behandeln; eine starke demokratische Welle wird nach dem Kriege kommen.“ Kautsky, der die Konstruktion der Notstandskredite anregte, schlug vor: der Regierung die Zusicherung abzufordern, daß sie keine Eroberungen wolle, und bei Abgabe der Zusicherung zu bewilligen, bei Verweigerung abzulehnen; der Vorschlag fand allgemeine Zurückweisung.

Die Mehrheit hörte nur mit Ungeduld und Unruhe die Vertreter der Minderheit an. Ein Schlußantrag machte der sehr erregten Debatte ein ziemlich frühes Ende. Nur 14 Genossen (außer dem fehlenden Emmel, der sich später in gleichem Sinne aussprach) stimmten gegen die Kreditbewilligung (Albrecht, Antrick, Bock, Geyer, Haase, Henke, Herzfeld, Kunert, Ledebour, Lensch, Liebknecht, Peirotes, Rühle, Vogtherr). 78 stimmten dafür. Einige sollen sich der Stimme enthalten haben. Haase beantragte, die Erklärung durch Scheidemann verlesen zu lassen. Hoch und andere widersprachen und forderten die Verlesung durch Haase, der nicht nur wie Scheidemann Vorsitzender der Fraktion, sondern auch des Parteivorstandes sei. Haase weigerte sich nachdrücklich, ließ sich aber, von zahlreichen Fraktionsmitgliedern bestürmt, schließlich dazu bewegen.

Der Antrag, bei dem Hoch auf „Kaiser, Volk und Vaterland“ mit aufzustehen, wurde bekämpft, aber unter Hinweis auf die in der Erwähnung von Volk und Vaterland liegende Konzession mit großer Mehrheit angenommen.

Eine Kommission zur Ausarbeitung der Erklärung wurde eingesetzt. Sie legte am Morgen des 4. August das Produkt ihres Schweißes vor, das mit einigen kleinen Änderungen Annahme fand. Stadthagen forderte vergeblich eine scharfe Wendung zur Kennzeichnung der innenpolitischen Zustände Deutschlands. Liebknechts Antrag, unseren französischen Freunden wenigstens noch ein Wort der Sympathie und Brüderlichkeit zuzurufen, führte — nachdem er von Frank bekämpft war — zur Einfügung einer nichtssagenden Floskel. Sein weiterer Antrag, auch für Österreich jede Eroberungspolitik abzulehnen, fiel; David bemerkte hierbei, daß die Frage österreichischer Eroberungen viel zu kompliziert liege, als daß sie kurzweg schlechthin verneint werden könnte.

In der ersten Plenarsitzung klatschten mehrere sozialdemokratische Abgeordnete (Südekum, Heine, Frank, Wendel und andere) beifallrufend einigen Stellen der Reichskanzlerrede zu. Unmittelbar nach dieser und vor der zweiten, kurz danach eröffneten Plenarsitzung fand eine kurze Fraktionssitzung statt, in der es zunächst wegen dieser „patriotischen“ Kundgebungen zu heftigen Zusammenstößen kam; für die zweite Sitzung wurden derartige Kundgebungen durch besonderen Fraktionsbeschluß verboten — um am 2. Dezember doch wiederholt und in der Fraktion von Heine gerühmt zu werden. Es wurde weiter mitgeteilt, daß die Regierung eine Abschwächung des gegen Eroberungen gerichteten Passus der Erklärung wünsche, weil die drohende Gefahr des englischen Eingreifens durch diesen Passus verschärft werden könne. Dem Wunsche der Regierung wurde entsprochen.

Versuche, eine abweichende Abstimmung der vierzehn im Plenum zu erzielen, waren in der Überstürzung der wenigen Stunden mißlungen. Haase, selbst ein Vertreter der Kreditverweigerung, hatte sich zur Abgabe der Erklärung bestimmen lassen; auch die Minderheit rechnete noch damit, daß die Partei im übrigen dennoch eine oppositionelle Politik, eine Politik des Klassenkampfes auch während des Krieges treiben werde, daß die Kreditbewilligung vom größten Teil der Mehrheit nur in dem revolutionären Sinn des viel mißbrauchten Engels-Artikels gemeint sei und schroffste Konflikte zwischen Partei und Staatsgewalt nicht ausbleiben würden; man trug Bedenken, sich in dieser gefahrvollen Lage, in der man die Partei trotz alledem vermeinte, von der Mehrheit der Fraktion öffentlich zu trennen. Aus diesen und zahlreichen anderen Gründen kam kein öffentliches Minderheitsvotum zustande. Der Gedanke, sich durch das traurige Mittel des heimlichen Hinausschleichens um jede Entscheidung zu drücken, schied selbstverständlich aus.

Alsbald nach dem 4. August zeigten sich in der Partei, besonders in ihrer Presse, die bedenklichsten Erscheinungen — Chauvinismus, Annexionssucht, Harmonieduselei, besinnungslose Solidarisierung mit den Todfeinden des Proletariats von gestern und von morgen, die plötzlich in einer trüben Einigkeitsphrasen-Hochflut zu Busenfreunden von heute umgewaschen wurden.


QUELLEN

— Karl Liebknecht, Klassenkampf gegen den Krieg, Berlin (1919), S. 14-16. ;

— Dokumente und Materialen zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, Bd. 1, Juli 1914 — Oktober 1917, Berlin, Dietz Verlag, 1958, S. 19-21 ;

— Transkription und HTML-Markierung: Smolny, 2014.


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