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samedi 27 octobre
La couverture chronologique de la revue du GLAT, Lutte de Classe, a été considérablement étendue (premier numéro de mars 1964) et comprend maintenant un renvoi sur une version numérisée des 128 numéros !
Cahiers du Communisme de Conseils - Série complète !
vendredi 26 octobre
Les trois numéros manquant (1, 2 & 5) sont maintenant disponibles dans les sommaires de la revue des Cahiers du Communisme de Conseils. Que les volontaires pour les transcriptions n’hésitent pas à se signaler... En attendant, bonne lecture !
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dimanche 5 août
Neuf des douze numéros de la revue des Cahiers du Communisme de Conseil (1968-1972) sont maintenant accessible en version numérique au travers du sommaire général.
Derniers numéros de la revue Communisme
dimanche 5 août
Les numéros 6, 8, 9 et 15 qui manquaient jusque là ont été ajoutés au sommaire général de la revue « Communisme » (1937-1939). Bonnes lectures !
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Controverses
Revue publiée par le Forum de la Gauche Communiste Internationaliste : C’est pour contribuer à déblayer la voie vers la clarification et le regroupement sur des bases théoriques, politiques et organisationnelles saines que Controverses a vu le jour. En d’autres termes, tout en tenant compte du changement de période qui n’est plus au reflux mais à la reprise historique des combats de classes, notre objectif essentiel est de reprendre ce qui était le souci de Bilan mais qu’il n’a pu mener complètement à bien compte-tenu des conditions d’alors : « ...une critique intense qui visait à rétablir les notions du marxisme dans tous les domaines de la connaissance, de l’économie, de la tactique, de l’organisation », et ce sans « aucun dogme », sans « aucun interdit non plus qu’aucun ostracisme », et « par le souci de déterminer une saine polémique politique ». Ceci est plus que jamais indispensable afin de réussir un nouvel « Octobre 17 » sous peine de se retrouver comme ces « vieux bolcheviks ... qui répètent stupidement une formule apprise par cœur, au lieu d’étudier ce qu’il y avait d’original dans la réalité nouvelle. (extrait de l’éditorial du n°1)
Gavroche - La revue
Le premier numéro de la revue trimestrielle Gavroche est sorti en décembre 1981. Il prenait la suite du Peuple français, belle aventure éditoriale des années soixante-dix. Depuis plus de 20 ans, la revue s’attache à la retranscription des fêtes, des travaux, des luttes et des joies du principal acteur de l’histoire : le peuple. Gavroche fait aussi resurgir des événements jusque-là ignorés ou passés volontairement sous silence.
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Site de ressources documentaires sur le patrimoine socialiste. Suit l’actualité des parutions, publie certains articles en ligne et propose des documents concernant le mouvement ouvrier de la première moitié du XXe siècle principalement.
KAPD 01a : Erster Parteitag — Erster Verhandlungstag
Protokoll des 1. ordentlichen Parteitages der KAPD / 1. August 1920
1. Dezember 2014 von philippe

PROTOKOLL DES 1. ORDENTLICHEN PARTEITAGES DER KOMMUNISTISCHEN ARBEITERPARTEI DEUTSCHLANDS

Vom 1. bis 4. August 1920, in Berlin-Weißensee, im Restaurant „Zum Prälaten“

Erster Verhandlungstag

[Der Parteitag tritt am 1. August 1920 morgens 9 Uhr in Berlin zusammen.]

N. (NEUMANN) - Berlin begrüßt den Parteitag mit folgenden Worten:

Im Namen des Wirtschaftsbezirks Groß-Berlin heiße ich Euch alle herzlichst willkommen. Der Parteitag, geboren aus der inneren Situation der Partei sowohl wie aus der wirtschaftlichen und politischen Situation in Deutschland und der weltpolitischen Situation, hat große Aufgaben zu erfüllen. Es ist das Wort geprägt worden, dieser Parteitag solle sein ein Parteitag der Entscheidungen. Als im April dieses Jahres aus allen Gauen Deutschlands die Delegierten zusammenkamen, war es nur eine Zusammenfassung der Opposition, die sich im Spartakusbund gebildet hatte, und so ist der heutige Parteitag der eigentliche Gründungsparteitag der Kommunistischen Arbeiterpartei Deutschlands, der einheitliche und eindeutige Richtlinien aufzustellen haben wird. Die Frage der Nation erfordert eine ganz klare Stellung; die Frage der Internationale erfordert weiter unsere größte Aufmerksamkeit. Es gilt, da die Weltrevolution im allgemeinen und die russische Revolution im Besonderen in Deutschland einen Stützpunkt für die weitere Entwicklung brauchen, dass wir uns dieser Aufgabe bewusst sind und wir diesen Stützpunkt schaffen. In diesem Sinne wird es auch unsere Aufgabe sein, unser Programm aufzubauen. Des Weiteren wird es notwendig sein, die Frage der Partei und der Betriebsorganisation zu klaren, dass die enge Verbindung auch hier erläutert und grundlegend festgelegt wird. Bei dieser Frage ist es notwendig, dass auch das Rätesystem gestreift wird, um auch hier zur Klarheit zu gelangen. Auch die organisatorischen Aufgaben verlangen eine eingehende Würdigung, damit die Partei, zusammengefasst im organisatorischen Rahmen, die Aufgaben erfüllen kann, die sie erfüllen muss. Wenn die Genossen im Reiche, die uns hierher delegiert haben, verlangen, dass wir eine derartige Arbeit leisten, so wollen wir mit vollem Bewusstsein an diese Aufgaben herangehen und uns würdig erweisen, die uns gestellten Aufgaben zu lösen.

Das proletarische Selbstbewusstsein der Arbeiterschaft zu steigern wird weiter eine wichtige Aufgabe sein. Wir müssen das Bekenntnis ablegen, dass die K.A.P.D. sich bewusst ist, den Glauben daran nicht verloren zu haben, dass die Massen sich selbst helfen können. Deshalb wollen wir sein eine Partei der Revolutionäre, die alles einstellt auf den Endkampf, eine Partei der revolutionären Arbeit, die mit aller Kraft den kommunistischen Gedanken propagiert, die eine aktive Hilfe für Sowjetrussland2 darstellen wird.

Wenn wir einen kurzen Blick auf die politische Lage, auf das Arbeitslosenproblem etc. werfen, dann müssen wir uns bewusst sein, dass wir vor großen Entscheidungen stehen, und dass wir heute Grundlinien schaffen müssen für unsere Arbeit im nahen Entscheidungskampf. Mit aller Offenheit müssen wir an diese Dinge herantreten und sie so erledigen, wie es unter Kommunisten üblich ist: im brüderlichen Sinne. Arbeiten wir in diesem Sinne, wird der Parteitag auch einen Erfolg haben für die Revolution, an deren Vorabend wir vielleicht schon stehen. In diesem Sinne heiße ich den Parteitag nochmals auf das herzlichste willkommen.

R. (RASCH) - Berlin: Genossen und Genossinnen! Im Namen des Geschäftsführenden Hauptausschusses der Kommunistischen Arbeiterpartei erkläre ich hiermit den Parteitag für eröffnet.

Mein Vorredner hat schon darauf hingewiesen, welche Aufgaben der Parteitag zu erfüllen haben wird und ich hoffe, dass er all die strittigen Fragen aus der Welt schaffen wird, der Partei zum Nutzen. Ich bitte darum jetzt um Vorschläge für die Bureauwahl und zwar für 3 Vorsitzende und 2 Schriftführer.

N. (NEUMANN) - Berlin: Wir schlagen zu Vorsitzenden vor die Genossen: R. (RASCH) - Berlin, H. (HELLWIG) - Leipzig und G. (GRANZOW) - Düsseldorf, zu Schriftführern die Genossen W. (WENDEL) - Berlin, und??

[Der Parteitag stimmt diesen Vorschlägen zu.]

Wir kommen nunmehr zur Wahl der Mandatsprüfungskommission. Es werden dazu 5 Genossen notwendig sein. Vorgeschlagen werden die Genossen A. (AMBRECHT?) - Hamburg, W. (Fritz WEYL?) - Elberfeld, N. (NEUMANN) - Berlin, F. (Minna FASSAUER) - Braunschweig und E. (Martha EBERT?) - Sachsen-Anhalt.

Da kein Widerspruch erfolgt, ist die Kommission gewählt. Jeder Wirtschaftsbezirk muss vertreten sein und zwar auf je 1.000 Mitglieder kommt ein Delegierter. Ich bitte, das bei der Prüfung der Mandate als Richtschnur zu nehmen.

Wir treten sodann in die Geschäftsordnung ein. Als Tagesordnung schlage ich vor:

-  1. Geschäftsbericht.

  • a) Organisation
  • b) Kassenbericht.

-  2. Stellungnahme zum Programm. Referent: Gen. Sch. (SCHRÖDER) - Berlin.

-  3. Nation und Klassenkampf. Referent: Gen. G. (GOLDSTEIN) - Berlin. Koreferent: Gen. L. (LAUFENBERG) - Hamburg.

-  4. Unsere Stellung zur 3. Internationale.

-  5. Wahlen.

-  6. Verschiedenes.

Wird gegen diese Tagesordnung Einspruch erhoben?

H. (Carl HAPP) - Hamburg: Wir schlagen, entsprechend der Wichtigkeit der einzelnen Punkte, folgende Tagesordnung vor: 1. Geschäftsbericht, 2. Nation und Klassenkampf, 3. Unsere Stellung zum Programm, 4. Stellung zur Internationale, 5. Wahlen, 6. Verschiedenes.

Schi. (Paul SCHILLER) - Berlin: Wir möchten noch weiter gehen als die Hamburger. Wir möchten die Frage in den Vordergrund stellen, die uns am meisten interessiert und möchten den Punkt Nation und Klassenkampf dem Geschäftsbericht noch vorausnehmen.

H. (Carl HAPP) - Hamburg: Wir erklären uns mit dieser Verschiebung einverstanden.

M. (MEYER) - Leipzig: Es ist nicht nur aus Mitteldeutschland, sondern auch aus anderen Wirtschaftsbezirken ein Antrag eingegangen, ein Referat über die Allgemeine Arbeiter-Union und die Freie Union halten zu lassen.

R. (RASCH) - Berlin: Ich möchte darauf hinweisen, dass Mitteldeutschland Schuld daran hat, dass seine gestellten Anträge bei uns nicht eingegangen sind. Wir sind daher kaum in der Lage gewesen, die Anträge zu veröffentlichen. Soli dieser Antrag jetzt zur Umänderung der Tagesordnung erneut gestellt werden? [Zuruf: Jawohl!] Dann bitte ich auch, die Referenten bekannt zu geben.

M. (MEYER) - Leipzig: Es kann selbstverständlich nicht Mitteldeutschland feststellen, welcher Referent für dieses Thema in Frage kommt. Das könnte doch wohl besser von Berlin aus geschehen, dem es doch sehr leicht möglich sein wird, zwei Referenten zu bestellen. Wenn wir zu den Syndikalisten gehen, werden wir doch wohl einen Referenten bekommen.

L. (Erich und/oder Felix LEWINSOHN) - Dresden: Es kann nicht angehen, dass auf unserem Parteitag Nicht-Kommunisten Referate halten.

R. (RASCH) - Berlin: Ich glaube, dass, wenn irgendwelche Dinge zur Entscheidung stehen, die Delegationen aus sich selbst heraus doch wohl in der Lage sein werden, dieses Thema zu beherrschen. Mitteldeutschland hat also den Antrag gestellt, die Tagesordnung um diesen Punkt zu erweitern.

H. (HELLWIG) - Halle: Zu dem Vorwurf, dass von Mitteldeutschland kein Antrag eingegangen ist, stelle ich fest, dass wir den Bericht am Tage nach der Bezirkskonferenz abgesandt haben.

Sch. (SCHWABE?) - Eisenach: Im Punkte Stellungnahme zum Programm können wir die Frage der Betriebsorganisation mit behandeln, ohne extra ein Referat zu hören. Wir sind ja auf Grund unseres gebundenen Mandates doch nicht in der Lage, uns auf einen bestimmten Punkt festzulegen, wir könnten also nur Richtlinien entwerfen.

R. (RASCH) - Berlin: Wir kommen alsdann zur Abstimmung über die Festsetzung der Tagesordnung nach Abänderung durch die Berliner und Hamburger Anträge. Die Tagesordnung lautet dann:

-  1. Nation und Klassenkampf.
-  2. Stellungnahme zum Programm.
-  3. Partei und Betriebsorganisation.
-  4. Unsere Stellung zur 3.Internationale.
-  5. Geschäftsbericht,

  • Organisation,
  • Kassenbericht.

-  6. Wahlen.
-  7. Verschiedenes.

Die Tagesordnung wird in dieser Reihenfolge angenommen.

Der Antrag Mitteldeutschland, ein besonderes Referat über Allgemeine Arbeiter-Union und Freie Union einzuschalten, wird mit 21 gegen 8 Stimmen abgelehnt.

K. (KOHN) - Hamburg beanstandet, dass die Anträge Hamburgs zur Internationale und zum Punkt Nation und Klassenkampf dem Parteitag nicht vorliegen. Ich bitte, dass das nachgeholt wird.

R. (RASCH) - Berlin: Die Resolutionen sind nur in der Hamburger K.A.Z. veröffentlicht, nicht aber uns als Antrag zugegangen. W. (WOLFFHEIM) - Hamburg: Die Resolutionen sind dem Geschäftsführenden Ausschuss zugegangen.

G. (GOLDSTEIN) - Berlin: Diese Resolutionen sind dem Geschäftsführenden Ausschuss mit dem Ersuchen zugegangen, sie in der Berliner K.A.Z. zu veröffentlichen. Das ist geschehen. Als besonderer Antrag sind uns die Resolutionen nicht zugegangen.

R. (RASCH) - Berlin: Wir lassen die Resolutionen vervielfältigen und stellen sie den Delegierten zur Verfügung.

Die Redakteure mit beratender Stimme zum Parteitag zuzulassen, wird angenommen.

Es wünscht nunmehr ein RUSSISCHER KRIEGSGEFANGENER 25 das Wort zur Begrüßung.

Übersetzung: Genossen und Genossinnen! Als Vertreter der Sektion der Kriegsgefangenen in Deutschland äußere ich meine wärmsten Grüße dem Parteitag der K.A.P.D. Wir äußern unsere Solidarität mit der K.A.P.D. In der letzten Zeit hat das deutsche Proletariat seine Solidarität mit Sowjetrussland verschiedentlich bewiesen. Wir haben gesehen, dass das Proletariat wachsam ist. Wenn auch unter Euch Verschiedenheiten bestehen, so erblicken wir in der allgemeinen Aktion gegen das weiße Ungarn das Erwachen des internationalen proletarischen Bewusstseins im Kampfe gegen das Kapital. Das Kapital hat gesehen, dass es mit dem internationalen Proletariat als Klasse zu tun hat. Wir hoffen unerschütterlich, dass im entscheidenden Moment das Proletariat ungeachtet der Parteiunterschiede eine gemeinsame Front bilden wird. Wir glauben, dass diese Stunde nahe ist. Es lebe die Internationale! Es lebe der Kommunismus! [Bravo!]

R. (RASCH) - Berlin: Es ist das folgende Begrüssungstelegramm der Kommunistischen Partei Deutsch-Österreichs eingegangen:

,,Wir hoffen, dass Eure Tagung beitragen wird zur Einigung des revolutionären Proletariats Deutschlands auf dem Boden der 3. Internationale und wünschen Euch in diesem Sinne den besten Erfolg.

K.P. DTSCH.-ÖSTERREICH“

Ferner hat der Genosse GORTER aus Bussum (Holland) in einem Briefe dem Parteitag seine Grüße und Wünsche übermittelt.

Die Tagungszeit wird für den 1. Tag auf 9-5 Uhr durchgehend festgesetzt.

W. (WERNER) - Frankfurt am/M.: Es wird notwendig sein, die Wirtschaftsbezirke über sämtliche Anträge namentlich abstimmen zu lassen.

R. (RASCH) - Berlin: Wenn es sich um Anträge handelt, die von Wichtigkeit sein werden, werden wir in dem Sinne verfahren.

Wir treten nunmehr in die Tagesordnung ein. Zum 1. Punkt Nation und Klassenkampf, erteile ich dem Referenten Genossen G. (GOLDSTEIN) - Berlin das Wort.

G. (GOLDSTEIN) - Berlin: Genossen und Genossinnen! Die Stunde ist angebrochen, wo die Auseinandersetzung zwischen Kommunismus und nationalem Kommunismus, diesem Abfallprodukt der bürgerlichen Welt, erfolgen muss. Ich möchte bemerken, nicht der Rausch und die Ekstase dürfen der Geist dieses Parteitages sein, sondern ruhige, sachliche Oberlegung und Abwägung dessen, was zu diesem Thema gesagt werden muss, soll für uns maßgebend sein. Sie werden daher nicht erwarten dürfen, dass ein Brillantfeuerwerk von Phrasen Sie überschütten wird, vielmehr werde ich in ganz sachlicher Form alles das zum Ausdruck bringen, was zu diesem Thema gesagt werden muss. Es muss doch in unserer Partei meiner Auffassung nach endlich einmal eine Klarstellung erfolgen, wo die Kommunistische Arbeiterpartei Deutschlands aufhört und die Deutschnationale Volkspartei anfängt. Ich möchte darauf hinweisen, dass bei der Beurteilung des Standpunktes unserer Genossen in Hamburg für die Delegierten des Parteitages nicht maßgebend sein kann, was sie ihnen hier sagen werden, sondern einzig und allein das, was in ihren Schriften und Zeitungsartikeln fixiert ist. Nur von diesem Gesichtspunkte aus dürfen Sie meinen Vortrag beurteilen, und ich bitte Sie, auch nur nach diesen Gesichtspunkten verfahren zu wollen. Es ist vielleicht kein Zufall, wenn die Hamburger Organisation gerade in diesem Augenblick, vor Beginn des Parteitages, mit einer prinzipiellen Erklärung an die Öffentlichkeit tritt. Ich meine, dass heute eine Partei existieren muss, dass sie eine Notwendigkeit ist im Interesse der Weiterführung der Revolution; lediglich das Begnügen mit einer prinzipiellen Erklärung würde heute bedeuten die Sanktionierung der Formlosigkeit, wo es jedem Mitgliede ermöglicht wird, seine Prinzipien zu verfechten und durchsetzen zu wollen, ohne sich um eine Einheitlichkeit der Organisation bekümmern zu brauchen. Wenn ich jetzt zum Thema selbst komme, so möchte ich feststellen, dass wir in Berlin durchaus nicht etwa immer auf dem schroffen Standpunkt gestanden haben gegenüber der Hamburger Richtung, wie er jetzt vielleicht zum Ausdruck kommt. Während des Kampfes mit dem Spartakusbund haben wir alles getan, um auch den Hamburger Genossen gerecht zu werden. Wir sind sogar weit über den Rahmen dessen gegangen, was wir eigentlich hätten tun dürfen. Wir haben Laufenberg und Wolffheim in einer Zeit verteidigt, wo sie vom Spartakusbund verleumdet worden sind. Wir haben es für unsere Ehrenpflicht gehalten, ihnen beizustehen mit Argumenten, die vielleicht nicht ganz unserer Überzeugung entsprochen haben. Wenn nun dieses Thema Überhaupt zur Sprache gekommen ist, und wenn die Diskussion so heftige Formen angenommen hat, so trifft die Schuld nicht die Berliner Organisation, die sich die größte Reserve auferlegt hat. Wenn Sie unsere Zeitung verfolgen bis auf den heutigen Tag, so werden Sie fast garnichts finden, was als aggressiv gegen die Hamburger Richtung gedeutet werden könnte. Erst in dem Augenblick, wo von Hamburg aus das Thema erneut und in verschärfter Form in die Partei geschleudert wurde, erst da haben wir klar und unzweideutig unsere Stellung präzisiert, die sich deckt mit der Auffassung der gesamten 3. Internationale.

Ich möchte die Frage stellen: Worin liegt denn eigentlich der Schwerpunkt des Hamburger National-Kommunismus? Ich glaube, man kann bei der Hamburger Richtung zwei Epochen unterscheiden; die erste charakterisiert sich wohl durch die Schrift: „Revolutionärer Volkskrieg oder konterrevolutionärer Bürgerkrieg“ und die zweite beginnt etwa mit dem Zeitpunkt der Gründung unserer Partei. Als die erste kommunistische Adresse an die Öffentlichkeit gelangte, war mir von vornherein klar, dass hier ein Weg eingeschlagen werden sollte, der die Bahn des Sozialismus zu verlassen geeignet war. Wir haben alle geglaubt, dass die Tendenzen nach und nach unter der Einwirkung der politischen Situation, unter der Berücksichtigung der weltpolitischen Lage mehr und mehr wieder verschwinden mussten. Ja, ich möchte sogar den seltsamen Fall mitteilen, dass, als das Lüttwitz-Unternehmen in die Erscheinung trat, der Genosse Wendel30 ganz spontan erklärte: „Nun ist der National-Bolschewismus für mich endgültig erledigt“. Ich sage, wir hatten einmal diese Hoffnung. Wir sahen uns darin getäuscht. Es kam zur Gründung der Kommunistischen Arbeiterpartei Deutschlands. Auf dem Gründungsparteitag wurde, dessen werden Sie sich erinnern, eine programmatische Erklärung angenommen, dass jeder national eingestellte Bolschewismus abgelehnt werde. Diese Erklärung ist auch in der Hamburger K.A.Z. zum Abdruck gekommen, aber die entscheidende Stelle wurde nicht veröffentlicht. Als die Dinge diese Wendung einschlugen, und als schließlich die Schrift „Kommunismus gegen Spartakismus“ erschien, die meiner Auffassung nach eine glatte Kapitulation des wissenschaftlichen Sozialismus bedeutet, als ferner Artikel nach Artikel in der Hamburger K.A.Z. erschienen, in denen man immer deutlicher in einer ganz bestimmten Richtung vorging, in denen man versuchte, das Proletariat für Dinge zu engagieren, die in der Richtung der Konterrevolution gelegen haben, da müsste hier eine restlose Abgrenzung erfolgen. Worin besteht nun der Schwerpunkt des Hamburger Standpunktes? In der ersten kommunistischen Adresse wird im wesentlichen Stellung genommen zu den Problemen des Versailler Vertrages und ich muss hier anerkennen, dass Laufenberg und Wolffheim das Verdienst haben, gerade zu diesem Punkte wirklich klar und deutlich gesagt zu haben, was zunächst dazu gesagt werden muss: dass er unter keinen Umständen akzeptiert werden kann. In diesem Punkte waren wir uns einig. Das muss hervorgehoben werden, weil der Spartakusbund inzwischen eine Politik eingeschlagen hat, die auch in diesem Problem reformistisch-opportunistischen Charakter aufweist. Hier erkennen wir Laufenberg und Wolffheim das Verdienst zu, dass sie in diesem Punkte erklärt haben, der Versailler Vertrag ist ein Bollwerk der internationalen Konterrevolution. Er bedroht nicht nur das deutsche Proletariat, sondern er untergräbt und unterminiert auch bereits die Voraussetzungen einer künftigen sozialistischen Produktionsweise in Deutschland. Das Verdienst, dies erkannt zu haben, haben auch wir anerkannt. Wir haben auch in derselben Weise in der Berliner K.A.Z. das Problem behandelt. Die größte Frage steht: Wie denken sich die Hamburger Genossen die Aufhebung des Versailler Friedensvertrages? Und hier kommen wir schon auf eines der Hauptprobleme des Hamburger Kommunismus überhaupt. Wenn ich von richtigen Voraussetzungen ausgehe, so glaube ich sagen zu dürfen, dass die Genossen Laufenberg und Wolffheim bei der Erklärung der Notwendigkeit einer Annullierung des Friedensvertrages und bei ihrer Stellungnahme, wie die Aufhebung erfolgen soll, sich etwa von folgenden Gesichtspunkten haben leiten lassen:

Sie gehen davon aus, dass die notwendige Voraussetzung der Auseinandersetzung mit dem Ententekapital nicht die Frage von Verhandlungen sein kann, sondern dass diese Auseinandersetzung die erste Voraussetzung des Kommunismus in Deutschland bedeutet. Sie gehen ferner davon aus, dass mit Rücksicht auf die gewaltige technisch-industrielle Überlegenheit der Entente das deutsche Proletariat vor einer gewaltigen Aufgabe stehen würde, wenn es vor die Entscheidung gestellt wird, den Kampf mit dem Ententekapital aufzunehmen. In dieser Erwägung sind sie zu der Schlussfolgerung gelangt, dass das deutsche Proletariat wohl nicht aus eigener Kraft heraus imstande sein würde, dieser Aufgabe gerecht zu werden. Weil sie nicht das nötige Vertrauen in die Kraft des deutschen Proletariats zu setzen vermögen, darum kokettieren sie heute mit dem Gedanken, die Aufhebung des Versailler Friedensvertrages nicht allein mit dem Proletariat, sondern gemeinsam mit der Bourgeoisie durchführen zu wollen.

Was ist dazu zu sagen? Die Hamburger berufen sich sehr häufig auf das Beispiel der russischen Sowjetregierung. Auch Russland hat heute an seiner Spitze zaristische Generale und hohe Offiziere stehen. Man soll doch nicht vergessen, dass Russland, während es den Krieg mit der Entente geführt hat, gleichzeitig auch den Bürgerkrieg im Innern geführt hat und dass man nicht daran gedacht hat, einen Brussiloff zu engagieren, bevor nicht das Bürgertum in Russland als Klasse durch den Bürgerkrieg erledigt war. Ich sagte, die Hamburger Genossen verweisen auf das Beispiel von Russland. Sie haben noch andere Momente, die für ihre Stellungnahme gegenüber dem Versailler Friedensvertrag maßgebend sind.

Wir machen ihnen auch gar nicht zum Vorwurf, dass sie überhaupt dieses Problem zur Diskussion gestellt haben, im Gegenteil. Wir lehnen nur die Art und Weise ab, wie dieses Problem in die Debatte gestellt worden ist, dass im Mittelpunkt der Hamburger Politik steht, dass man den revolutionären Volkskrieg gegen die Entente als das wesentlichste bezeichnet hat. Bevor ich aber darauf eingehe, muss ich noch folgendes feststellen. Die Hamburger Genossen haben, indem sie dieses Problem so sehr in den Vordergrund rückten, sich von einem bestimmten Gesichtspunkt aus leiten lassen. Sie sehen nur eine einzige politische und historische Entwicklung für den Fortgang der Weltrevolution als möglich an. Sie gehen davon aus, dass Deutschland den Mittelpunkt der Weltrevolution bildet, was auch wir akzeptieren. Wir haben immer den Gedanken klar formuliert, dass die deutsche Revolution notwendig vorwärts geführt werden muss, wenn die Weltrevolution überhaupt zum Siege gelangen soll. Darauf brauche ich nicht einzugehen. Ob aber die Geschichte auch wirklich diesen Weg einschlagen wird und muss, das ist die große Frage. Wer garantiert uns denn dafür, dass Deutschland das Land ist, in dem die Revolution zuerst zum Ausbruch kommt? Ich könnte mir den Fall denken, dass in Italien, wo die Dinge reif sind, der Ausbruch der proletarischen Revolution unter Umständen früher kommen kann als in Deutschland. Auch Deutsch-Österreich, der Balkan könnte eines Tages in Flammen stehen. Es wäre auch möglich, dass da oder dort sich eine neue revolutionäre Bewegung bemerkbar macht. Alles das sind Möglichkeiten, mit denen ein Politiker rechnen muss, der niemals erklären darf, dass die Geschichte nur diesen einen Weg, wie er sich ihn nun gerade einmal ausgedacht hat, einschlagen kann.

Alle diejenigen, die im Kriege gewesen sind und in Frankreich Gelegenheit gehabt haben, mit französischen Sozialisten zu sprechen, werden mir zugeben, dass die Hauptsorge der französischen Sozialisten der deutsche Militarismus gewesen ist. Sie würden schon losschlagen, wenn es nicht der deutsche Militarismus wäre, der im Hintergrund stände. Wenn wir heute in Deutschland eine entschiedene Klassenkampf-Politikreissen würden und zeigen würden, dass das deutsche Proletariat gewillt ist, mit der Bourgeoisie zu brechen, dann wird auch die Bewegung in Frankreich ein rascheres Tempo einschlagen. Und hier mache ich den Hamburger Genossen den Vorwurf, dass sie durch ihre Tendenzen den Entwicklungsprozess der revolutionären Bewegung, speziell in Frankreich, in der gemeingefährlichsten Weise gehemmt haben. Mir sind Artikel aus französischen kommunistischen Zeitungen zu Gesicht gekommen, in denen auch dort bereits die Befürchtung ausgesprochen wird, dass die Hamburger Tendenzen unter Umständen in der K.A.P.D. die Oberhand gewinnen könnten. De nichts so sehr geeignet sein würde, die Weltrevolution in ihrem Laufe aufzuhalten, als die Frage des Nationalkommunismus, kann keinem Zweifel unterliegen. Frankreich würde sagen, dass nun die alte bürgerliche Gesellschaft unter der Flagge des Kommunismus das Regiment weiter führen darf, um mit Hilfe deutscher Kommunisten die revolutionäre Bewegung in Frankreich mit eiserner Faust nieder zu schlagen.

Ich sagte, dass dieser sogenannte revolutionäre Volkskrieg in den Mittelpunkt der Hamburger Politik gerückt ist, jener Volkskrieg, der nach der Ergreifung der proletarischen Macht in Frage kommen kann. Wer in diesem Punkte den Hamburgern irgendwelche Konzessionen zu machen geneigt gewesen ist, wird durch die letzten Artikel wohl belehrt worden sein, dass man sich in Hamburg nicht mehr damit begnügt, den sogenannten revolutionären Volkskrieg nach Ergreifung der proletarischen Macht zu propagieren, sondern daran geht, den nationalen Aufstand bereits in der heutigen Situation zu propagieren, dass man offen die Partei der Konterrevolution zu der seinen macht. Da stellen wir die Frage: Wie ist es möglich, dass Kommunisten zu einer solchen Stellungnahme gelangen können? Bevor ich auf die Frage der Nation, auf dieses Hauptproblem, naher eingehe, muss ich noch einige Bemerkungen über die Art und Weise machen, wie sich die Hamburger Genossen den Krieg gegen das Ententekapital eigentlich denken, unter welchen Voraussetzungen er geführt werden soll. Sie wissen ja, dass sich in der ersten kommunistischen Adresse die Wendung befindet, dass unter der Voraussetzung, dass die deutsche Bourgeoisie sich der neuen kommunistischen Ordnung unterwirft, ein sogenannter revolutionärer Burgfrieden Platz greifen soll. [Zuruf: Ist nicht der Fall!] Dann müsste jetzt eine neue Ausgabe erschienen sein. In dem mir vorliegenden Exemplar steht das klar und deutlich. Ich kann die Stelle ja auch verlesen. Hier steht:

„Unter der Voraussetzung, dass die Bourgeoisie die vom Proletariat vollzogene Machtergreifung anerkennt, wäre die proletarische Diktatur an der Aufrichtung eines revolutionären Burgfriedens für die Zeit des Krieges nach außen nicht minder interessiert wie im umgekehrten Verhältnis weiland Wilhelms II.“

Was bedeutet ein solcher revolutionärer Burgfrieden? Er bedeutet, dass man den positiven Gedanken des Sozialismus zurückstellt gegenüber dem Gedanken der gemeinschaftlichen Verteidigung Deutschlands gegenüber der Entente. Das wesentliche der Hamburger Gedankengänge ist nicht, dass wir jetzt den Kommunismus verteidigen, sondern das Deutschland als neu geschaffene Nation, die mit der Machtergreifung des Proletariats erst ihren Ausdruck erhält. Es ist die Rede, und nicht nur einmal, von dem Kampf gegen die Fremdherrschaft, der aufgenommen werden muss im Augenblick des revolutionären Burgfriedens mit der Bourgeoisie. Was bedeutet dieser Kampf? Nichts anderes, als dass alle diejenigen nationalistischen Instinkte im Proletariat der Ententeländer entfesselt werden, auf die sich der Sozialismus der alten Sozialdemokratie stützen kann, wenn er mit demselben Nationalismus antworten sollte. Ich möchte hinweisen auf die augenblickliche Situation, auf den Polenkrieg. Wenn Russland heute sich eine gewisse Beschränkung Polen gegenüber auferlegt, so tut es das auch nicht zuletzt in der Befürchtung, dass ein allzu aggressives Vorgehen gegen Polen das polnische Volk in den nationalistischen Taumel hineinreißen würde. Das ist es auch, was wir gegenüber diesem Standpunkt betonen müssen. Aber nicht nur, dass der Gedanke des revolutionären Burgfriedens dem Nationalismus alle Ventile öffnet, etwas schlimmeres noch kommt in Frage: Unter welchen Voraussetzungen wohl würde sich die deutsche Bourgeoisie veranlasst sehen können, ihrerseits von einem Bürgerkriege gegen die proletarische Diktatur Abstand zu nehmen? Stellen Sie sich einmal die Situation klar vor Augen. In Deutschland ist das Proletariat zur Macht gelangt, das deutsche Proletariat sieht sich vor der Notwendigkeit, seine errungene Position gegenüber dem Ententekapital zu verteidigen. In dieser Situation erklärt sich die deutsche Bourgeoisie angeblich bereit, für die proletarische Diktatur mitzukämpfen gegen das Ententekapital. Welche politische Bedeutung hätte wohl ein solcher Krieg des deutschen Proletariats gegenüber dem Ententekapital? Welches politische Ziel würde ein solcher Krieg, der ja von den Hamburger Genossen als Klassenkampf bezeichnet wird, wohl verfolgen müssen? Er könnte sich doch, als Klassenkampf gedeutet, nicht damit begnügen, den Kommunismus in Deutschland zu verteidigen, er musste vielmehr das grolle Ziel verfolgen, auch den Kapitalismus in den Ententeländern zur Niederwerfung zu bringen. [Sehr gut]. Sonst wäre es ja nur ein Krieg, der mit rein negativen Zielen geführt würde. Wenn man diesem revolutionären Kriege eine solche Bedeutung beimisst, so muss er auch ein positives Ziel haben, und zwar das Ziel, den Kommunismus auch in die Ententeländer zu tragen. Wenn die Hamburger von dieser Voraussetzung ausgehen, sollte man dann wohl vom deutschen Bürgertum erwarten, dass es sich neben der Niederwerfung seiner selbst, neben der Ausschaltung des deutschen Kapitalismus noch engagieren ließ für die restlose Vernichtung des Weltkapitals? [Sehr gut!] Dass es sich gebrauchen ließ für die vollständige Aufrichtung des Weltkommunismus? Etwas derartiges von der deutschen Bourgeoisie erwarten zu wollen, geht wohl doch nicht an. Man soll seinen Gegner nicht für so dummhalten, dass er an seinem eigenen Selbstmord arbeitet.

Was bedeutet es, wenn man auf der einen Seite den Gedanken des revolutionären Volkskrieges vertritt und andererseits den Bürgerkrieg in jener Situation für konterrevolutionär erklärt, und alles tut, um den Gedanken des Bürgerkrieges zu diskreditieren? Wir wissen wohl alle, dass wir nicht begeisterte Anhänger des Bürgerkrieges sind. Wir wären wohl alle herzlich froh, wenn man den Kommunismus auf möglichst unblutige Weise verwirklichen könnte. Welche Bedeutung hat der Bürgerkrieg? Es kann sich für uns nicht darum handeln, ob wir den Bürgerkrieg für schädlich oder nützlich halten, für uns steht die Frage so: kommen wir ohne Bürgerkrieg zum Sozialismus? kommt man ohne Kampf zum Sieg? Wir sagen, es wird der größte Bürgerkrieg sein, den die Weltgeschichte je gesehen hat.

Ohne mich weiter über die Notwendigkeit oder die Nützlichkeit dieses Gegenstandes aufhalten zu wollen, möchte ich lieber untersuchen, aus welchen Ursachen und Gründen heraus die Stellungnahme gegenüber dem revolutionären Volkskrieg und dem revolutionären Burgfrieden von Seiten der Hamburger erfolgt. Ich musste eigentlich hier zurückgehen auf das, was in Hamburg während des Krieges geschrieben worden ist. Es würde mir widerstreben, darauf einzugehen, und ich würde es auch unterlassen, wenn die Hamburger nicht selbst sich auf ihre Stellung während des Krieges berufen haben würden, auf ihre Stellung gegenüber der Politik des Spartakusbundes, der die Soldaten zum Verlassen der Front aufgefordert hatte, - die Hamburger nennen das die Erdolchung der Front. Hier machen sie dem Spartakusbund gerade das zum Vorwurf, was sein Hauptverdienst bedeutet, dass er dem konterrevolutionären Instrument der deutschen Armee wenigstens versuchsweise das Genick gebrochen hat. Ich könnte Ihnen hier verschiedene Stellen zitieren, verzichte aber darauf. Wir berufen uns nicht auf Lenin, wenn es dennoch geschieht, so nur darum, weil die Hamburger sich fälschlicherweise auf ihn berufen haben. Lenin steht in dieser Frage vollkommen auf unserem Standpunkt. Man sollte doch einem Paul Levi nicht die Heldenrolle zumuten, die man ihm zugemutet hat. Levi war doch nur der junge Mann der Rosa. Wenn es in den Angriffen immer Levi heißt, so glaube ich, dass diese Angriffe gar nicht Levi gelten, sondern vielmehr Liebknecht und Rosa Luxemburg, die eben diese Politik des Spartakusbundes, die notwendige Zertrümmerung des imperialistischen Heeres, zu der ihrigen gemacht haben.

Wie ist es möglich, dass Laufenberg und Wolffheim überhaupt in diesen Dingen eine so total verschiedene Auffassung von der unsrigen bekunden? Wenn wir uns so fragen, so kommen wir damit auf das Kernproblem des Hamburger Kommunismus überhaupt. In der Schrift „Kommunismus gegen Spartakismus“ wird es offen zugegeben, dass man in Hamburg die Nation zum Ausgangspunkt der Politik erhebt, dass man also den Gedanken der Nation für den wichtigsten hält, der maßgebend sein soll für die Politik des deutschen und des internationalen Proletariats. Wie steht es damit? Ich möchte erinnern, dass die feudalistische Geschichtsperiode von Nation in ihrem Bewusstsein sehr wenig aufzuweisen hatte. Der Feudalismus kannte nicht diese geschlossenen Nationalstaaten, wie sie nachher im Laufe der Geschichte zur Verwirklichung gelangt sind. Ich erinnere nur an das deutsche Mittelalter; nichts war da, was irgendwie auf die Entwicklung einer nationalen Geschlossenheit und Einheit damals schon hinweisen könnte. Ich erinnere an die Kämpfe in Italien, die zwischen den einzelnen Oligarchien stattgefunden haben, und erst in der Entwicklung des Kapitalismus, im Auftauchen des Bürgertums in der Geschichte zeigt sich die Tendenz nationaler Einigung und Freiheit. Die große revolutionäre Bewegung des 17. Jahrhunderts in England und die große französische Revolution 1789, sie stellten als den Abschluss der gesamten revolutionären Bewegung die Begründung einheitlicher Nationalstaaten fest. Wir ersehen daraus, dass die Errichtung der Nation eine Angelegenheit, und zwar eine ureigene Angelegenheit der bürgerlichen Welt gewesen ist. Aus der Errichtung der Nationalstaaten, die eine Notwendigkeit war im Interesse der kapitalistischen Produktionsweise, weil der Kapitalismus für seine Entfaltung großer einheitlicher Wirtschaftsgebiete bedurfte, zeigte sich im Bewusstsein der Völker die erste Regung des Nationalismus. Die große Tat des französischen Bürgertums bestand eben in der Erklärung als Nation. Das aber ist ein Moment, das ausschließlich bürgerlichen Charakter trägt. Wie stellt sich nun das Proletariat gegenüber dem Gedanken der Nation? Das ist unsere Frage. Sie beschäftigt nicht nur uns jetzt, sie hat auch den Sozialismus in seinem Anfangsstadium beschäftigt und zwar noch ganz anders als heute, allerdings jenen Sozialismus, den wir als den wissenschaftlichen bezeichnen, der von Marx und Engels begründet ist. Die beiden Begründer des wissenschaftlichen Sozialismus haben sich sehr eingehend mit diesem historischen Problem befasst. Sie sind mit Leidenschaft eingetreten für die Einheitsbestrebungen Italiens, Deutschlands, Polens u.s.w. Aber sie haben es getan aus dem Gesichtspunkt, dass die nationale Einigung ein historisch fortschrittliches Moment bedeutet. Sie haben es getan in jenen Zeiten, wo eben der Kapitalismus erst in den Anfängen seiner Entwicklung war, wo die Schaffung nationaler Staaten die Voraussetzung werden musste, damit das Proletariat auf den Plan der Geschichte treten könnte. Eine andere Frage ist die, ob für uns heute dieser Gedanke noch eine Rolle spielen darf. Die Zeit der nationalen Einheits- und Freiheitsbestrebungen war meines Wissens mit dem Jahre 1871 für Westeuropa abgeschlossen. Von diesem Zeitpunkt an sehen wir in Westeuropa - und Deutschland muss dazu gerechnet werden - bereits, wie der Kapitalismus mehr und mehr dazu kommt, die nationalen Schranken zu durchbrechen mit seiner Kolonialpolitik, wir sehen, wie der Gedanke des Imperialismus auf die Tagesordnung gesetzt wird. Alle kapitalistischen Länder treiben von jetzt an imperialistische Politik. Der Kapitalismus zeigt die Tendenz, dass er über die nationalen Schranken hinausweist, dass er große Wirtschaftssyndikate bildet, die sich gar nicht mehr um die nationalen Tendenzen kümmern. Wenn das Bürgertum heute kein Interesse besitzt für diesen Nationalismus, wenn es ohne jeden Skrupel zur Tagesordnung übergeht, um seine wirtschaftlichen Interessen zu verfolgen, wieviel weniger hat dann das Proletariat ein Interesse daran, sich in irgend einer Weise für den Nationalismus zu engagieren? [Sehr richtig!]

Wir stehen heute, weltpolitisch betrachtet, in einer Situation, die zweifellos einer Entscheidung zutreibt. Die Existenz der russischen Regierung nötigt das Ententekapital immer wieder, seine Truppen gegen Russland anstürmen zu lassen. Es nötigt auch das internationale Proletariat, restlos einzutreten für den internationalen Klassenkampfgedanken.

In einer Situation, in der es sich nicht mehr darum handelt, dass die englische Arbeiterklasse sich in Lohnstreitigkeiten einlässt, sondern wo sie heute bereits vor die Aufgabe gestellt ist, Weltpolitik zu treiben, in einer Situation, wo das Weltkapital sich absolut einheitlich organisiert gegen das internationale Proletariat, können und dürfen wir nicht die wahnsinnige Politik des Nationalismus treiben. Ich sage, das ist konterrevolutionär, wie es nicht schlimmer gedacht werden kann. [Zuruf: Wo steht denn das? Erneuter Zuruf: Bei Marx!]

Wer das nicht glaubt, braucht sich nur die letzten Nummern der Hamburger K.A.Z. anzusehen. [Zuruf: Welche Artikel?]

Jeden Artikel! Wenn wir das Thema Nation behandeln, so ist es für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir nicht daran denken, die Existenz der Nation zu leugnen. Das ist uns nicht eingefallen, und ist nirgendwo geschrieben worden. In der Broschüre Nation und Internationale ist gesagt worden, dass auch noch Rassenprobleme existieren können. Durch ein Dekret können solche Fragen nicht erledigt werden, auch nicht durch Parteitagsbeschlüsse. Wir denken nicht daran, auf diesem Wege Probleme lösen zu wollen. Aber der Parteitag hat eine klare Stellung einzunehmen.

Ich sagte, dass wir niemals die Existenz der Nation verleugnet haben. Darum aber handelt es sich auch garnicht, sondern vielmehr darum, ob man das Moment der Nation heute zum Gegenstand proletarischer Politik macht. Dagegen legen wir Verwahrung ein. Indem man heute das Moment Nation in die Debatte wirft, macht man die ganze Arbeit des Sozialismus zunichte. Es war soweit, dass sich das Proletariat dessen bewusst war, dass es international sei. Es sagte sich, wir haben gemeinsame Interessen gegen den Kapitalismus. Durch solche Momente wird diese Arbeit wieder sabotiert und es werden die nationalen Tendenzen erst recht dadurch in ihrer ganzen besonderen Stärke zur Entwicklung gebracht. Dagegen verwahren wir uns entschieden. Hat denn der wissenschaftliche Sozialismus, zu dem wir uns noch bekennen, seine Stellung gegenüber der Nation auch so verfochten, wie die Hamburger es heute tun? [Zuruf W. (Wolffheim) - Hamburg: Jawohl!] Ich bin anderer Auffassung. Marx und Engels haben gewiss das nationale Moment berücksichtigt, heute aber darf es keine Rolle mehr spielen. Vielleicht kann mir jemand sagen, ob in der gesamten Literatur davon die Rede gewesen ist, dass man das Moment der Nation zum Hauptfaktor der proletarischen Politik machen soll. [Zuruf H. (Happ) - Hamburg: Das Kommunistische Manifest!] Das Manifest fängt damit an, dass jede Geschichte die Geschichte von Klassenkämpfen ist. Gerade Marx hat diesen Gedanken gegenüber dem Utopismus so scharf erkannt. Worin besteht denn überhaupt die Entwicklung von der Utopie zur Wissenschaft? Der Utopismus wurzelt in dem Gedanken, dass man glaubt, die Bourgeoisie, das Bürgertum durch die Argumente der Gerechtigkeit und der Moral überzeugen zu können für die Idee des Sozialismus, dass eine Interessengemeinschaft besteht zwischen dem Proletariat und der Bourgeoisie. Da sind es Marx und Engels, die den scharfen Klassenkampfgedanken prägen. Er bildet den Grundsatz des wissenschaftlichen Sozialismus. Natürlich gibt es von Natur aus Nationen. Das ist selbstverständlich. Wir behaupten nur, dass der Gedanke des Klassenkampfes weit stärker werden muss als der Gedanke der Nation, dass er den nationalen Rahmen sprengen muss, wenn das Proletariat zum Siege gelangen will. [Zuruf W. (Wolffheim) - Hamburg: In der logischen Fortentwicklung!] Wenn sich Laufenberg und Wolffheim darauf berufen, dass man anknüpfen müsste an den Punkt der Geschichte, wo das Bürgertum nicht weiter gelangt ist, also an den Punkt, wo die deutsche bürgerliche Revolution an einem Haltepunkt angelangt war, wenn wir heute verpflichtet sein sollen, diesen Gedanken zu Ende zu führen, dann ist das purer Unsinn. Es ist unhistorisch gedacht. Die Geschichte hat ja bewiesen, dass sie andere Wege eingeschlagen hat. Der Imperialismus hat bewiesen, dass das Bürgertum gar nicht mehr daran denkt, in Nationalismus zu machen. Deshalb schon kann gar nicht die Verpflichtung bestehen, die verunglückte bürgerliche Revolution von 1848 weiter zu führen.

Ich komme zum Schluss. Heute, in einer Situation, in der alles darauf ankommt, den Gedanken des internationalen Klassenkampfes so scharf wie möglich zu formulieren, wo Sowjetrussland vom Ententekapital bedroht ist, wo das internationale Proletariat eine einheitliche Front schließen muss, um der gewaltigen Macht des Weltkapitals eine ebenso gewaltige Macht des internationalen Proletariats entgegen zu stellen, müssen wir rücksichtslos alle diejenigen Tendenzen bekämpfen, die geeignet sein könnten, das Proletariat von seinem Wege abzulenken. Das Proletariat darf heute unter keinen Umständen wieder dahin gebracht werden, dass es auch nur den Gedanken eines Kompromisses mit dem Bürgertum verficht. Zwischen dem absterbenden Kapitalismus und der Entwicklung der proletarischen Revolution gibt es keinerlei Kompromisse. Hier gibt es nur den Kampf bis zur Entscheidung. Darum halte ich es und meine Berliner Freunde für eine Notwendigkeit, dass wir gegenüber dem Nationalkommunismus eine klare Stellungnahme verfolgen. Es muss klar entschieden werden darüber, was als Kommunismus zu verstehen ist und was nicht. Die Partei befand sich bei ihrer Gründung vor einer so glänzenden Situation. Überall strömten uns die Massen zu. Wir hatten alle Aussichten, die Partei gut zu organisieren. In diesem Augenblick überraschte man uns aus Hamburg mit diesem Streitobjekt: Kommunismus gegen Spartakismus. Das hat uns mehr geschadet, als wir heute noch aufzubauen in der Lage sein werden. Darum ist es eine Notwendigkeit, dass dieser Streit ausgefochten wird bis zur letzten Konsequenz. Das verkehrteste wäre, dass man sich wieder auf einen faulen Kompromiss einigt. Wenn wir das tun, werden wir die Kämpfe wieder von neuem erleben. Die Partei als solche muss klar aussprechen, wie sie zu diesen Dingen steht. Sie muss ein Programm annehmen, sie muss Richtlinien aufstellen, die entweder angenommen werden oder aber nicht. Etwas Positives muss festgelegt werden. Und dann muss hier ausgesprochen werden, dass alle diejenigen, die sich dann zum Programm nicht bekennen wollen, innerhalb der Partei nichts mehr zu suchen haben.

Ich habe mir erlaubt, einige Leitsätze auszuarbeiten, die folgendermaßen lauten:

LEITSÄTZE ÜBER NATION UND KLASSENKAMPF

  1. Die Epoche des Feudalismus kennzeichnet sich durch den Mangel eines im Rahmen der Nation einheitlich organisierten Staatsganzen, was gleichbedeutend war mit dem Fehlen einer entsprechenden nationalen Ideologie. (Oligarchie der Fürsten in Deutschland, Italien, Frankreich, England, usw.)
  2. Mit der Entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise bildet sich mehr und mehr die Notwendigkeit großer einheitlicher Wirtschaftsgebiete heraus. Die Kämpfe des englischen und französischen Bürgertums im 17. und 18. Jahrhundert endigen mit der Aufrichtung von einheitlich in sich geschlossenen Nationalstaaten, in denen das Bürgertum die gesetzgebenden und verwaltenden Funktionen übernimmt. Das Bürgertum als herrschende Staatsmacht entwickelt aus sich heraus den Gedanken der nationalen Einheit und Freiheit. Somit ist ideologisch betrachtet die Nation ein Produkt der bürgerlichen Welt, geboren aus den ökonomisch-politischen Interessen der kapitalistischen Gesellschaftsstruktur.
  3. Wie verhält sich demgegenüber das Proletariat in seinem Bestreben um die ökonomische Befreiung aus der Sklaverei des Kapitalismus? In den Ländern, wo die Bourgeoisie im Begriff steht, den nationalen Einheitsstaat zu begründen im Interesse der vollen Entfaltung der kapitalistischen Produktionsweise, wird das Proletariat gemeinsam mit der Bourgeoisie gegen den herrschenden Föderalismus kämpfen, wobei jedoch gleichzeitig die besonderen politischen und ökonomischen Ziele scharf hervorgehoben werden müssen. Diese Epoche war für Deutschland und das gesamte Westeuropa mit dem Jahre 1871 abgeschlossen. Von diesem Zeitpunkt an beginnt die Periode der vollen kapitalistischen Entwicklung, die an der Wende des Jahrhunderts bereits die Formen des IMPERIALISMUS annimmt.
  4. In dem Stadium der Geschichte, wo der Kapitalismus zur vollständigen Entfaltung gelangt, machen sich naturgemäß die KLASSENGEGENSÄTZE zwischen Bourgeoisie und Proletariat in VERSCHÄRFTEM MASSE bemerkbar. In diesem Stadium gibt es keine gemeinsamen Interessen mehr zwischen Ausbeutern und Ausgebeuteten. Das Proletariat aller Länder schließt sich mehr und mehr zu einer gemeinsamen Kampffront zusammen gegen die Interessengemeinschaft des Kapitalismus.
  5. Das gilt in höchstem Grade für die gegenwärtige Epoche, wo inmitten der weltrevolutionären Entwicklung die EXISTENZ DER RUSSISCHEN SOWJETREPUBLIK das gesamte Weltkapital zu gemeinsamen Aktionen gegen das siegreiche russische Proletariat veranlasst. In dieser historischen Situation erwächst dem deutschen Proletariat gemeinsam mit dem Proletariat aller Länder die Pflicht, den Kampf gegen das Weltkapital auf INTERNATIONALEM MAßSTAB mit Aufbietung aller Kräfte in Angriff zu nehmen. Der Kampf gegen das Weltkapital wird wirksam geführt durch den rücksichtslosesten Klassenkampf gegenüber der deutschen Kapitalistenklasse, als den Handlangern des Ententekapitals. Die vollständige Niederwerfung der deutschen kapitalistenklasse ist die VORAUSSETZUNG FÜR DIE ERFOLGREICHE AUSEINANDERSETZUNG mit dem Entente-kapital. Darum gelten alle Bestrebungen für konterrevolutionär, die darauf hinzielen, das deutsche Proletariat für eine Kampfgemeinschaft mit dem Bürgertum in Form des NATIONALEN AUFSTANDES gegen die Entente zu engagieren. Als konterrevolutionär müssen auch Bestrebungen gelten, die darauf gerichtet sind, nach dem Siege der proletarischen Revolution auf den unvermeidlichen Bürgerkrieg zu verzichten zugunsten eines sogenannten revolutionären Volkskrieges gegen die Entente. Aufgabe des siegreichen Proletariats ist in erster Linie die NIEDERHALTUNG DER EIGENEN BOURGEOISIE. Ein etwa notwendig werdender Kampf gegen das Ententekapital bedeutet den gleichzeitigen Kampf gegen die mit jenen durch gleiche Interessen verbundene deutsche Kapitalistenklasse. Jede Art von NATIONALEM BOLSCHEWISMUS muss daher von einer revolutionären Partei grundsätzlich verworfen werden. Bestrebungen nationalbolschewistischen Charakters haben keinen Platz in der K.A.P.D. Die K.A.P.D. bekennt sich zum SCHÄRFSTEN KLASSENKAMPFSGEDANKEN im Interesse der Revolution des deutschen und internationalen Proletariats. Die Organisation der Internationale besteht nicht in der FÖDERATION DER NATIONEN, sondern in dem internationalen Zusammenschluss der KLASSENORGANISATIONEN DES PROLETARIATS zu dem einzigen Zweck des AUFBAUES EINER KOMMUNISTISCHEN WELT.

Das ist die Linie, die wir gehen müssen, wenn wir den Interessen der Revolution gerecht werden wollen. Die Genossen Laufenberg und Wolffheim sind im Irrtum, wenn sie glauben, dass sie etwas Neues gebracht haben. Die Wirkung ihrer Ideen ist nur die, dass wir in die vormarxistische Epoche zurückgeworfen werden. Dagegen müssen wir kämpfen im Interesse des internationalen Proletariats. [Bravo!]

*

Es folgt nunmehr der Bericht der Mandatsprüfungskommission: Die Mandate sind geprüft. Es vertreten: Berlin 12.000, Nord 3.000, Altona 953, Sachsen-Anhalt 1.400, Nordwest 1.000, Pommern 1100, Niedersachsen 1.200, Ostsachsen 3.100, Ostpreußen 1.500, Rheinland-Westfalen 5.500, Frankfurt a/M. 1.000, Zwickau 200, Mitteldeutschland 3.200, Besetzte Zone 2.500, Spandau-Osthavelland 1.000. Somit sind 44 stimmberechtigte Delegierte auf dem Parteitag vertreten.

Es entspinnt sich eine längere Geschäftsordnungsdebatte um die beiden Mandaten von Altona als der Opposition von Hamburg, während der die inneren Angelegenheiten des Bezirks Nord zum Austrag kommen. Schließlich werden die 3 Mandate des Bezirks Nord und 1 Mandat der Opposition (nachdem die Opposition auf 1 Mandat freiwillig verzichtet hat), mit 21 gegen 12 Stimmen anerkannt.

L. (LEWINSOHN) - Dresden: beantragt nochmalige getrennte Abstimmung. Der Antrag wird einstimmig angenommen.

R. (RASCH) - Berlin: Es folgt dann die Abstimmung über den Antrag der Mandatsprüfungskommission, 1. die drei Hamburger Mandate anzuerkennen. [Mit 15 gegen 2 Stimmen angenommen.] Die drei Hamburger Mandate sind somit gültig. 2. Ein Mandat der Opposition anzuerkennen. [Mit 25 gegen 11 Stimmen angenommen.] Ein Mandat der Opposition ist somit auch gültig.

W. (WOLFFHEIM) - Hamburg: Nach dieser Abstimmung erkläre ich, dass die Berliner Genossen es entschieden abgewiesen haben würden, wenn wir beansprucht haben würden, den Genossen W. (WENDEL) - Berlin zuzulassen.

Schi. (SCHILLER) - Berlin: Ich stelle fest, dass in Berlin keine besondere Organisation besteht wie in Hamburg. Das ist der Unterschied zwischen Hamburg und Berlin.

R. (RASCH) - Berlin: Zum Korreferat über das Thema Nation und Klassenkampf erteile ich nunmehr dem Genossen L. - Hamburg das Wort.

L. (LAUFENBERG) - Hamburg, Korreferent: Die Abstimmung, die eben stattgefunden hat, war, darüber wird wohl kein Zweifel bestehen, eine Abstimmung grundsätzlicher Art. Und dass sie das sein sollte, geht hervor aus einer einfachen Tatsache. Das Organisationsstatut der Partei bestimmt, dass 4 Wochen vor dem Parteitage den Ortsgruppen und Bezirken Anträge grundsätzlicher Art zugegangen sein müssen, damit die Bezirke dazu Stellung nehmen können. Wir sind hier genauso wie in Heidelberg von dem Vertreter des Zentralausschusses mit der Vorlegung einer Prinzipienerklärung bedacht worden, die den Ortsgruppen nicht vorgelegen hat, zu der sie keine Stellung haben nehmen können, und in der zum Schlusse ganz ausdrücklich ausgesprochen wird, dass derjenige, der dieser Prinzipienerklärung nicht zustimmen kann, sich aus der K.A.P.D. zu verfügen hat. Die Absicht ist sowohl in den Worten wie in der Erklärung klar und deutlich ausgesprochen worden. Der Parteitag soll über die Spaltung beschließen, nachdem man es durch die Nichtvorlegung einer Erklärung verstanden hat, eine Stellungnahme der Ortsgruppen über diese Frage zu verhindern. Das ist klar die Situation, wie sie besteht, mit ihr haben wir uns abzufinden. Man hat die prinzipielle Abstimmung vorweg genommen, ähnlich wie in Heidelberg. Die K.P.D. ist an ihren Methoden zugrunde gegangen; wer den politischen Schaden der Vorgänge hier zu tragen haben wird, das werden wir abwarten; wir können den Dingen ganz ruhig entgegensehen.

Es liegt hier eine Anweisung des Moskauer Exekutiv-Komitees vor, bestimmte Personen aus der K.A.P. zu entfernen. Diese Weisung stellt an und für sich eine Ungeheuerlichkeit dar. Denn wann wäre es jemals erhört gewesen und wann dürfte es jemals erhört sein, dass eine Instanz versucht, - eine Instanz, die im Ausland sitzt und ausländische Verhältnisse vor Augen hat, die Politik und Taktik einer revolutionären Partei in einem anderen Lande entscheidend und maßgebend zu bestimmen? Das ist ein Unding und so ist eine solche Weisung eine Ungeheuerlichkeit. Umsoweniger sollte man vor der sachlichen Klärung sich zu Beschlüssen veranlasst fühlen, die die sachliche Klärung vorausnehmen. Wenn hier gesagt worden ist, dass in der Hamburger Ortsgruppe eine große Opposition bestehe, so will ich versuchen, den Genossen, die diese Erklärung hier abgegeben haben, die Illusion zu rauben. Wie es in Hamburg aussieht, das wissen wir sehr wohl. Man komme doch nach Hamburg und sehe sich an, wo denn die politische Führung den großen Massen der Stadt gegenüber liegt. Bei der Opposition liegt sie nicht. Darauf dürfen Sie sich verlassen.

Wenn wir uns dagegen verwahren, dass eine ausländische Instanz die Politik und Taktik unserer Partei hier bestimmt, so verwahren wir uns nicht minder dagegen, dass ein zentraler bureaukratischer Ausschuss der Partei sich herausnimmt, über die Politik und Taktik der einzelnen Landesbezirke zu bestimmen. Nicht der Zentral-Ausschuss ist berufen dazu, auf die Propaganda der Bezirke einen bestimmenden Einfluss auszuüben. Wir stehen auf dem Standpunkt, dass über ihre Propaganda und über ihre Taktik die einzelnen Wirtschaftsbezirke selbst autonom zu bestimmen haben. Das ergibt sich schon aus der einfachen Tatsache, dass bis heute ein Parteiprogramm nicht besteht, Grundlinien nicht festgelegt sind. Wir in Hamburg und auch der ganze Bezirk Nord haben es abgelehnt, sich auf den Boden des Programmentwurfs zu stellen, der uns vorgelegt worden ist, und zwar aus dem Grunde, weil dieses Programm die Bewaffnung der politisch organisierten Arbeiterschaft ausspricht, also den Grundsatz der Parteibewaffnung enthält und damit auf dem Boden des Spartakusbundes steht. Wenn man diese Bestimmung aufnehmen wollte, dann wäre keine Veranlassung gegeben, sich überhaupt vom Spartakusbund zu trennen.

Wir stehen auf dem Standpunkt der Bewaffnung der Arbeiterklasse, nicht der Bewaffnung einer einzelnen Partei. Wir sind allerdings der Meinung, dass eine Bewaffnung nach Parteien, wenn es sich um die Machtergreifung des Proletariats handelt, nicht in Frage kommen kann. Der Standpunkt, den die Hamburger Organisation einnimmt, ist niedergelegt in einer Anzahl von Richtlinien, die der Aktionsausschuss der Ortsgruppe Hamburg herausgegeben hat. Wir sagen zunächst - und da ergibt sich allerdings ein grundlegender Unterschied zwischen unserer und des Referenten Auffassung - die Parteien als Gebilde der bürgerlichen Demokratie sind bestimmt, mit dieser zu verschwinden. Der Zersetzungsprozess, der heute durch die Organe der bürgerlichen Demokratie geht, geht auch durch die Parteien. Mit dem Beginn der proletarischen Revolution hört die Partei auf, ein brauchbares Mittel im proletarischen Klassenkampf zu sein. Die Partei ist ein Gebilde der bürgerlichen Epoche. Sie ist die Grundlage der bürgerlichen Demokratie und des bürgerlichen Parlaments. Das Parlament wirkt durch das Mittel der Parteien. Die Partei ist dazu bestimmt, Macht auszuüben, teilzunehmen an der Herrschaft des Staates.

Von diesem Augenblicke an, wo die bürgerliche Periode überwindet wird, wo die proletarische Revolution auf die Tagesordnung gesetzt wird, ist die Partei kein brauchbares Mittel der Arbeiterklasse mehr. Solange der bürgerliche Staat unerschüttert dasteht, solange nicht daran zu denken ist, ihn zu überrennen, solange hat die Arbeiterklasse kein anderes Mittel, um ihren politischen Einfluss auszuüben, als sich der Partei zu bedienen. Wo es sich um dann Umsturz dieser kapitalistischen Ordnung handelt, wo das Proletariat darangeht, dann proletarischen Staat aufzurichten, wo die politische Situation derart ist, dass das Proletariat an die Verwirklichung seiner Ziele geht, da hört die Partei auf, ein brauchbares Mittel des Proletariats im Klassenkampf zu sein. [Widerspruch.] Sobald das Proletariat in die revolutionäre Situation eintritt, hört auch die Partei auf. Die großen Trennungslinien schneiden sich nicht haarscharf ab. In dann Perioden des Obergangs verquickt sich das traditionelle Denken mit dann neuen Auffassungen. Ich frage, ob in einem Augenblick, wenn die Arbeiterklasse an die Verwirklichung der sozialistischen Gesellschaft geht, wenn sie die Staatsmacht erobert, sie sich auf ihre große proletarische Masse stützen muss, oder ob überhaupt dankbar ist, dass in einem solchen Augenblick ein kleiner Splitter das Proletariats es übernehmen kann, seine Anhänger zu bewaffnen und damit die proletarische Revolution durchzuführen. Zweifellos geht das letztere nicht, wer einen derartigen Versuch unternähme, würde an diesem Versuche notwendig scheitern.

Es heißt dann in dann Richtlinien des Hamburger Aktions-Ausschusses:

«Die proletarische Demokratie ist die demokratische Organisation des Proletariats als Klasse. Indem das Proletariat sich inmitten der zerfallenden bürgerlichen Gesellschaft als Klasse konstituiert, erschafft es das Fundament eines neuen Staates. In dieser Übergangsepoche kann die Aufgabe der Kommunisten nicht darin bestehen, sich als Partei zu organisieren, sondern sie kann nur darin bestehen, durch propagandistische Tätigkeit und Teilnahme an allen Aktionen der proletarischen Revolution diese über die ihnen von dann Parteien gesteckten Ziele hinauszutreiben und gegenüber den Sonderinteressen der Parteien das allgemeine Klasseninteresse des Proletariats zu wahren».

R. (RASCH) - Berlin: [unterbrechend] Das gehört aber doch zum Thema Programm.

L. (LAUFENBERG) - Hamburg: [fortfahrend] Das zeigt, wie wenig es der ZentralAusschuss nötig befunden hat, sich mit unseren Gedankengängen überhaupt zu befassen. Die neue Staatsgewalt hat sich zunächst auseinander zu setzen mit denjenigen politischen Gebilden, die als Tradition vorhanden sind. Das erste ist also die Abgrenzung zu der Frage einer Parteigründung überhaupt. [Sehr gut] In den Richtlinien kommt jetzt sofort das wichtigste: der Betrieb. Es heißt da:

«Der Betrieb als Keimzelle des Produktionsprozesses ist die Zelle der kommunistischen Wirtschaft und des proletarischen Staates. Er vereinigt die Proletarier auf Grund ihrer wirtschaftlichen Funktion und sozialen Klassenlage, unabhängig von ihrer Stellung zu den bestehenden Parteien und Gewerkschaften. Deshalb beginnt die Organisation des Proletariats als Klasse mit der Organisation des Betriebes. Dies ist die Voraussetzung sowohl für den Aufbau der Wirtschaft wie des Staates».

Der Organisation nach Parteien stellen wir gegenüber der Organisation nach Betrieben. Der Betrieb ist die Zelle des Wirtschaftslebens und als solche war er das Fundament der Macht des Unternehmers. Von dieser Zelle geht aus die ganze wirtschaftliche Organisation der Gesellschaft, die ganze Errichtung des proletarischen Staates. Wenn das Proletariat die Unternehmerklasse aus ihrer politischen und wirtschaftlichen Macht ausschaltet, dann kann es das nur, indem es auf die Betriebe die Hand legt, nicht dadurch, de irgendein politischer Bruchteil einer Partei die Macht ergreift. So geht die wirtschaftliche Neuorganisation vom Betriebe aus, wie in der kapitalistischen Wirtschaft der Betrieb die Hauptsache ist.

Es heißt dann weiter:

«Alle politische Gewalt wurzelt in der Kontrolle über die im Lande vorhandenen Waffen. Der Aufbau des proletarischen Staates setzt die Bewaffnung des Proletariats als Klasse voraus. Die Klassenbewaffnung des Proletariats beginnt mit der Bewaffnung der Betriebe, aus denen die Waffenkommissionen als die untersten Instanzen proletarischer Waffenkontrolle hervorgehen».

Wenn der Betrieb die Zelle ist, dann muss auch dort jener entscheidende Vorgang einsetzen, durch den überhaupt über die Macht im Lande entschieden wird. Derjenige hat die Macht, der über die Waffen bestimmt. Wer die Waffen in der Hand hat, verfügt über die Gesamtheit. Wenn das Proletariat sich als Klasse bewaffnen soll, dann geht notwendig die Bewaffnung von den Betrieben aus, jene Bewaffnung, die dann zu der Bildung von Waffenkommissionen führt. In diesen bewaffneten Vertretern der Arbeiterschaft repräsentiert sich die bewaffnete Macht der proletarischen Diktatur. Dadurch, dass die Bourgeoisie als wirtschaftliche Macht vernichtet wird, wird die Basis zertrümmert, auf der die wirtschaftlichen Organisationen der Bourgeoisie ruhen. Das Proletariat verwendet nun seine Staatsmacht dazu, um überall die wirtschaftlichen Organisationen der Bourgeoisie zu zerschlagen und um vorzubauen, dass etwa von der Grundlage ihrer wirtschaftlichen Macht aus die Bourgeoisie ihre Macht erneut zurück gewinnt. Ist die Bourgeoisie als Klasse zerschlagen, dann bleiben die einzelnen Mitglieder dieser Klasse als Personen übrig und es erhebt sich die Frage: was geschieht mit diesen einzelnen Personen? Und darauf antworten die Hamburger Richtlinien wie folgt:

„Die einzelnen Glieder der Bourgeoisie werden auf Grund der allgemeinen Arbeitspflicht der gesellschaftlichen Organisation der Arbeit eingegliedert, womit die Erweiterung des proletarischen Klassenrahmens zum allgemeinen Volksrahmen beginnt und der klassenlosen Gesellschaft der Weg bereitet wird.“

Wie stellt sich die proletarische Staatsmacht zu den Vertretern der Bourgeoisie, zu den Mitgliedern der bis dahin bürgerlichen Berufe? Es sind eine große Anzahl von Berufen, die als bürgerlich angesprochen werden, und deren Vertreter sich zum Teil noch als Mitglieder der bürgerlichen Kreise empfinden. Diese Berufe sind zum Aufbau eines Wirtschaftslebens notwendig.

Auch ein proletarischer Staat kann nicht auskommen ohne Ärzte, Techniker, und Beamte. Soweit diese Berufe in der kapitalistischen Gesellschaft einen kapitalistischen Charakter getragen haben, wird selbstverständlich dieser kapitalistische Charakter zerschlagen und zertrümmert, aber die Einzelpersonen gehen in die neue gesellschaftliche Organisation der Arbeit über. Wenn das Proletariat dadurch, dass es sich als Klasse nach Betrieben bewaffnet, seine Klassenorganisation schafft, sich als Klasse konstituiert, so gehen in diesen Klassenrahmen die Einzelglieder der bis dahin bürgerlichen Berufe über und das Proletariat erweitert auf diese Weise seinen Klassenrahmen zum Rahmen des Volkes. Diese Erweiterung des proletarischen Klassenrahmens zu einem Volksrahmen ist eine einfache staatliche Notwendigkeit. Denn in jeder Gesellschaft, die staatliche Formen trägt, beruht die Organisation auf zwei verschiedenen Richtlinien. Erstens ist es die Organisation und der Aufbau des staatlichen Gerüstes, zum zweiten ist es eine bestimmte Organisation der Gesellschaft des Volkes. Dieser entspricht in jeder Organisation der staatliche Aufbau selbst. Der staatliche Aufbau der bürgerlichen Gesellschaft ist zugeschnitten auf die Interessen der Bourgeoisie, und er entspricht der Volksorganisation, wie sie die Bourgeoisie geschaffen hat. Sie teilt und gliedert nach Geld und Besitz, während die proletarische Organisation nach dem einen Gesichtspunkt ihrer wirtschaftlichen Funktion der gesellschaftlichen Arbeit, die sie leisten, gliedert. So hat das Proletariat nicht genug mit der bloßen Errichtung seiner staatlichen Gewalt; wenn sie Dauer haben soll, muss das Proletariat dazu übergehen, nun die gesamte Gesellschaft nach seinem Bilde zu formen, dass in der Tat für die Gliederung des Volkes maßgebend ist die Frage der gesellschaftlichen Arbeit des einzelnen. Alle politischen Rechte gehen aus von der tatsächlichen Arbeit, die jeder einzelne verrichtet. Wer keine nützliche Arbeit verrichtet, wer sabotiert, ist kraft des Grundgedankens dieser ganzen proletarischen Organisation von jedem Rechte innerhalb dieser Gesellschaft ausgeschlossen. Das Ziel, welches der proletarische Staat verfolgt, ist die Ausschaltung der auf dem Kapitalbesitz gegründeten Gesellschaft. Diese klassenlose Gesellschaft wird in der Weise zu Wege gebracht, dass die einzelnen Personen zwangsweise oder freiwillig in den proletarischen Volksrahmen eingegliedert werden.

Dann heißt es weiter in den Richtlinien:

«Staat und Diktatur sind nicht Selbstzweck, sondern nur notwendige Übel der Übergangszeit zur Schaffung der klassenlosen Gesellschaft, die als Organisation der Selbstverwaltung jede Staatsgewalt überflüssig macht».

Die Errichtung des proletarischen Staates ist kein Endziel der menschlichen Entwicklung. Die staatliche Gewalt wächst hervor aus der Tatsache, dass sich in der menschlichen Gesellschaft auf Grund des Monopols an den Produktionsmitteln verschiedene Klassen herausbilden, während die andere Klasse von diesem Monopol ausgeschaltet ist. Um nun die Wirtschaft unter solchen Formen möglich zu machen, entsteht eine öffentliche Gewalt, und das Proletariat bemächtigt sich dieser öffentlichen Gewalt, um zum ersten Male diese öffentliche Gewalt zu kehren gegen die Minderheit, während der Träger der Gewalt die Mehrheit selbst wird. Aber das ändert nichts an dem Zwangscharakter der Gewalt und daran, dass das Endziel dieser Entwicklung durch die Schaffung der klassenlosen Gesellschaft dahin führt, dass auch diese staatliche Gewalt selbst abstirbt, dass auch sie überflüssig wird.

Es geht dann weiter in den Richtlinien:

«Die Kommunisten lehnen die Beteiligung an allen Teilaktionen des Proletariats ab, die auf eine Stützung des bürgerlichen Staates gerichtet sind und die nur dazu dienen, den Todeskampf der alten Gesellschaft und die Geburtswehen der neuen zu verlängern».

Als eine solche Teilaktion in diesem Sinne betrachten wir den Parlamentarismus.

Es heißt dann weiter:

„Die Grundlage jeder entwickelten kommunistischen Wirtschaft ist die wirtschaftliche und kulturelle Volksgemeinschaft, durch deren Vereinigung mit allen Volksgemeinschaften die Weltkommune entsteht. Die Kommunisten widerstreben jeder Zerreißung von Völkern durch willkürlich im Sonderinteresse einzelner Schichten aufgerichtete Staatsgrenzen. Die kommunistische Revolution zertrümmert alle willkürlich aufgerichteten Staatsgrenzen der Vergangenheit, wie sie sich gegen alle Bestrebungen der Gegenwart richtet, ganze Völker oder Teile von ihnen unter die Gewalt der herrschenden Klasse anderer Völker zu bringen, ihre Länder in Interessensphären oder Kolonien zu verwandeln.»

Ein paar Worte zu den Ausführungen des Referenten. Er hat uns darauf hingewiesen, dass die bürgerliche Epoche den nationalen Staat schafft und dass die Schaffung des nationalen Staates ein ausschließliches Kennzeichen dieser Epoche sein wird. Es ist richtig, dass die bürgerliche Periode auf ihr Banner schreibt die Schaffung des nationalen Staates. Das Wort Nation bedeutet in seiner Obersetzung Landsmannschaft. Die Zusammenfassung der Landsmannschaften eines Volkes zu einem Staate und damit zu einem einheitlichen Wirtschaftsgebiet, das war das Ziel der bürgerlichen Revolution, der bürgerlichen Wirtschaftsentwicklung. Das Bürgertum, das gegenüber der Bedarfswirtschaft der Feudalzeit eine auf den Austausch gestellte Wirtschaft schaffen will, ist angewiesen auf den Markt. Die Schaffung dieses Marktes, der unter einheitlicher Verwaltung steht, auf dem der Austausch sich unter bestimmten Beziehungen vollzieht, mit einheitlicher Verkehrssprache, ist das Ziel der bürgerlichen Entwicklung. Sie ist aber nicht imstande, dieses Ziel auch tatsächlich zu erreichen und zu verwirklichen. Wo immer man heute über die Welt blickt: es besteht kein einziger nationaler Staat, selbst Frankreich ist als solcher nicht anzusprechen. Frankreich unterhält wohl ausschließlich Teile des französischen Volkes. Aber dieses Volk ist im Staate nicht vereinigt. Ausgeschlossen sind die belgischen Teile. Da zeigt sich überall dasselbe: der bürgerliche Staat, der als Ziel die Errichtung des Nationalstaates hat, ist nirgendwo ein nationaler Staat. Er bleibt ein Staat der Nationalität. Die bürgerliche Entwicklung kommt nicht über die Entwicklung einer Nationalität hinaus. Dieselbe bürgerliche Entwicklung ist gezwungen, die Völker fortgesetzt zu vergewaltigen, zu zerreißen; denn der Kampf um die Märkte tobt zwischen den verschiedenen Bourgeoisien der verschiedenen Länder. So kommt es, dass die Bourgeoisie der Randgebiete ständig versucht, eine andere Nation ihrem Staate einzugliedern, dass sie versucht, ausschlaggebende Wirtschaftsgebiete in ihren Staat hinein zu beziehen. Dieser Kampf der Bourgeoisien zerreißt fortgesetzt die Völker, erlasst es zur Bildung einer Nation nicht kommen. Er schafft Bruchteile vollständig verschiedener Nationen in einem staatlichen Rahmen zusammen, er schafft den Nationalitätenstaat. Das Wesen der Nationalität beruht darin, dass die Interessen des Volkes von einer schmalen Oberschicht vergewaltigt werden können, dass die Völker zerrissen und zerspalten werden wegen der Interessen dieser herrschenden bürgerlichen Klasse. So sehen wir, dass die bürgerliche Entwicklung zur Schaffung des nationalen Staates vollständig unfähig ist. Wo sie aus dem Rahmen ihrer Epoche herausgeht, wo es zur imperialistischen Entwicklung kommt, da steigert das Bürgertum diese Tendenzen der Vergewaltigung. Worin besteht denn der Imperialismus? In dem Bestreben des Bürgertums, die Grenzvölker zu vergewaltigen, die Grenzen zu verschieben, die Schlachtfelder immer weiter von den Grenzen wegzurücken. Dieses Bestreben der Bourgeoisie wird fortgesetzt gesteigert. Daraus zu folgern, dass aus dieser Entwicklung der bürgerliche Staat in seiner imperialistischen Form über den nationalen Rahmen geht, und die Nation gewissermaßen aus der Welt schafft, ist doch eine handgreifliche Verkennung der Vorenge im geschichtlichen Leben der Völker selbst. Wann jemals kann eine Frage dadurch aus der Welt geschafft werden, dass man sagt, dass politische Folgen deshalb nicht gelten sollen, weil die Einzelpersonen von den Bourgeoisien vergewaltigt worden sind. Das Argument, das gebraucht worden ist, schlägt gegen denjenigen, der es gebraucht hat. Denn die notwendige Konsequenz ist, dass die kapitalistischen Hemmungen zerschlagen werden, damit die Unterdrückten Freiheit, Luft und Licht zum Leben bekommen. Das ist doch die Konsequenz dieser Gedankengänge, wenn sie richtig ausgelegt würden. Der Referent hat zweierlei mit einander verwechselt. Die kapitalistische Weltentwicklung greift allerdings über den Rahmen des Staates der betreffenden Bourgeoisie hinaus. Aber in dieser imperialistischen Tendenz liegt das Vergewaltigende. Doch die bürgerliche Entwicklung hat noch eine andere Tendenz. Jene Tendenz, in der das Proletariat diese Entwicklung aufgreift, das ist die Entwicklung zur großen Industrie. Man kann diese beiden Punkte nicht mit einander verwechseln. Die Großindustrielle Entwicklung, die das Proletariat aufgreift, hat nichts zu schaffen mit jener Tendenz, wie sie der Kapitalismus aufgestellt hat.

Der Schlußsatz der Richtlinien lautet:

«Die Kommunisten wie die Proletarier aller Länder sind national - wenn auch nicht im Sinne der Bourgeoisie. Ihre internationale Vereinigung dient der Aufrichtung der Weltkommune in der freien Vereinigung freier Nationen».

Diese industriellen Tendenzen bestehen auch in der proletarischen Gesellschaft weiter, und wenn der Kapitalismus, wenn die bürgerliche Welt große Wirtschaftsgebiete geschaffen hat, dann deswegen, weil die Grundlage dieser Gebiete mehr und mehr die großindustrielle Entwicklung geworden ist. Diese Entwicklung versucht allerdings, einen möglichst großen Bruchteil der Menschheit zusammen zu fassen und sie findet die nächste Stufe, auf die sie sich gründet, in dem Zusammenschluss all derjenigen, die auf dem Boden gleicher Sprachen und Sitten stehen. Das ist die Grundlage für den Aufbau einer proletarischen Gesellschaft. Indem die proletarische Gesellschaft sich aufbaut, geht sie von dieser ihrer Grundlage aus. Sie hat zunächst diesen Zusammenschluss als Volk, als einheitliches Wirtschaftsgebiet zu verwirklichen. Wenn in dieser Weise die proletarischen Völker neben einander stehen, dann ist ihre Vereinigung die 3. Internationale, dann ist das der freie Weltenbund freier Völker.

Das ist in wenigen Strichen die Auffassung, wie wir sie haben und wie sie niedergelegt ist in den herangezogenen Richtlinien.

Es ist von dem Referenten die Politik, die wir getrieben haben, scharf unter die Lupe genommen worden und hingewiesen auf unsere Haltung während des Krieges.

Wir haben in einer Schrift, die 1915 erschienen ist, in der Broschüre «Demokratie und Organisation» ausgesprochen:

«Nicht soweit die gesellschaftliche Wirtschaft Ausbeubeutungsfunktion der Minderheit ist, sondern soweit sie Lebensfunktion der Gesamtheit ist, erwachst den Proletariat ein natürliches Interesse an ihrer Erhaltung. Es muss sich dagegen wehren, dass einheitliche Wirtschaftsgebiete auseinandergerissen, dass hoher entwickelte Wirtschaften unter die Herrschaft niedrigerer gebracht werden. Es muss sich dagegen wehren, dass das Recht auf nationale Selbständigkeit, das es allen Nationen zubilligt, in der eigenen Nation verletzt werde. Hieraus resultiert in Kriegsfällen, die die Wirtschaft in ihrer Lebensfunktion bedrohen, die militärische Unterordnung des Proletariats unter die gegebene Heeresleitung».

[Zuruf: Hört! Hört!]

Es geht dann weiter:

«Diese Notwendigkeit besteht, unbekümmert um Schuld oder Nichtschuld der eigenen Regierung am Ausbruch des Krieges, urbekümmert um die Unterscheidung von Angriffs- oder Verteidigungskrieg, die der imperialistische Weltkrieg zur unbrauchbaren Schablone gemacht hat. Aus der militärischen Unterordnung resultiert jedoch nicht und darf nicht resultieren die politische Unterordnung unter die Träger der herrschenden Politik. Gerade weil moderne Kriege eine völlige Umwälzung des Verhältnisses der Nationen zu einander bringen, weil sie die Gesamtwirtschaft und damit die Lebensfunktion der Gesellschaft aufs engste berühren, während die herrschende Politik auf die Festigung und Erweiterung der Ausbeutungsfunktion in erster Linie gerichtet ist und notwendig unter historischem Zwange das Gegenteil von den zu erreichen suchen muss, was für das Proletariat wünschbar ist, muss dieses sich seiner besonderen Klasseninteressen bewusst bleiben».

[Zuruf Pf. (Pfemfert) Gotha: Das ist im Kriege veröffentlicht worden!] Das ist allerdings während des Krieges veröffentlicht worden. Es hat damals, während des Krieges, aber niemand Widerspruch gegen diese Sätze erhoben. [Zuruf Pf. (Pfemfert): Weil der Staatsanwalt sofort eingeschritten wäre!] Wenn wir mit unserem Namen für diese Dinge eingetreten sind, so wird der Genosse Pf. wohl auch wissen, dass wir für die Broschüren, die wir veröffentlicht haben, vorzeitig in den bunten Rock gesteckt sind, dass wir für die Agitation, die wir betrieben haben, Jahre während des Krieges hinter Mauern zugebracht haben.

Das alles ist dem Genossen Pf. (Pfemfert) sicherlich nicht unbekannt. Damals hat niemand diesen Sätzen widersprochen, und so gut wie damals unter Einsetzung unserer ganzen Person wir die Agitation gegen den Krieg getrieben haben, so gut wir energisch die Friedenspolitik der alten Sozialdemokratie in aller Öffentlichkeit kritisiert haben, so gut wir Tag für Tag und Stunde für Stunde uns der Gefahr ausgesetzt haben, mit den militärischen Gerichten in Konflikt zu kommen und gekommen sind, so gut hatte auch wohl ein anderer Kritiker den Mut haben können, eine Kritik aufzunehmen [Zuruf: Das haben wir getan, und zwar an der Front!]

Es handelt sich um die Konstatierung der ganz einfachen Tatsache, dass ein Militärstreik von vornherein unmöglich war und dass die Propagierung eines solchen Streiks mit der Erschießung weniger Leute hätte enden müssen. Als politische Parole war er nicht möglich. Wenn wir ausgesprochen haben, dass in Fällen, in denen die Gesellschaft in ihrer gesamten Existenz bedroht ist, dem Proletariat ein natürliches Interesse an ihrer Erhaltung erwachst, so sprechen wir damit ebenfalls nur eine ganz selbstverständliche Sache aus, über die man heute nicht diskutieren sollte, nachdem sich zeigt, wohin die Zerschlagung der wirtschaftlichen Struktur führt. Wir haben in dem Abkommen von Versailles und Spa die Folgen einer solchen Zerschlagung vor uns. Glaubt man etwa, dass damit den Interessen des deutschen Proletariats gedient ist, wenn anstelle der deutschen Kapitalisten die bewaffnete Entente steht? Glaubt man den Befreiungskampf dadurch zu umgehen? Die Kritiker reden heute viel von dieser Stelle, aber nicht von dem, was damals der wirkliche Kern gewesen ist. Wer diese Stelle zitiert, sollte so ehrlich sein und sollte auch das andere sagen. Wir standen damals auf dem Standpunkt, dass allerdings, wenn die Bewilligung der Kredite eine einmalige Tatsache blieb, sie gegenüber der anderen Tatsache, dass der Arbeiterklasse der Burgfrieden aufgezwungen war, die weniger entscheidende war. Wir haben uns immer gegen die Kreditbewilligung gewandt. Wir taten es, als andere noch nicht daran dachten, im Reichstage dagegen zu stimmen. Wir taten es in den öffentlichen Versammlungen in Hamburg und verlangten, im Reichstage gegen die Kreditbewilligung aufzutreten. Es handelte sich auch hier um die Frage: Lag damals das Schwergewicht der ganzen Aktion im Parlament oder darin, dass man die Massen aufrüttelte? Deshalb drehte sich unser Kampf damals um die Aufrüttelung der Massen. Wir verlangten die Zertrümmerung des Burgfriedens. Was hieß das? Das hie, dass die Bourgeoisie niedergekämpft, aus der Macht verdrängt werden sollte, dass das Proletariat die Macht selbst in die Hand nehmen sollte. Und wenn das Proletariat die Macht in der Hand hatte, war dann dieses Proletariat genötigt und verpflichtet, den Krieg gegen das Ausland aufzunehmen oder nicht? War dieses Proletariat genötigt, zu verhindern, dass seine Macht von den Heeren des Ententekapitals aufs neue zertreten würde? Die Arbeiterklasse hätte den Krieg gegen den Imperialismus aufnehmen müssen. Sie hätte ihre Staatsmacht dazu verwenden müssen, um sich gegen das kapitalistische Ausland zur Wehr zu setzen.

Das ist in klaren und scharfen Zügen damals der Sinn der Politik gewesen, die wir trieben, die wir auch, soweit es sich um das ausländische Proletariat handelte, im Auge hatten. Es handelte sich darum, die Herrschaft der Bourgeoisie im Lande zu zerschlagen, die Massenkräfte zu entfesseln und dadurch auch zugleich das Heer zu revolutionieren. In demselben Masse, wie im Lande das Volk revolutioniert wurde, in demselben Masse wurde notwendig auch das Heer revolutioniert; das Heer, das da draußen an der Front für imperialistische Zwecke kämpfte, das hirte deshalb nicht auf, ein Heer zu sein, das sich aus den breiten Massen des Volkes rekrutierte, in dem das Volk, das Proletariat, die überwiegende Masse der Soldaten stellte. Dieses Heer war ein Organ der imperialistischen Politik dadurch, dass im Lande eine imperialistische Regierung bestand und, dass die proletarischen Massen gezwängt wären in einem imperialistischen Heeresorgan.

Und nun komme ich zu einem Punkte, der ja auch fortgesetzt gegen uns ins Feld geführt wird: auf die Frage der Desertation. So wie es im Leben die Pflicht und Schuldigkeit jedes Proletariers war, die Massenkräfte befreien zu helfen, so war es selbstverständlich an der Front die Pflicht des einzelnen Revolutionärs, dort für die Auflösung des imperialistischen Heeres zu wirken. Aber nicht dadurch, dass man die verschiedenen Revolutionäre zur Desertation aufforderte. Wenn die Armee revolutioniert werden sollte, dann mussten in erster Linie die Revolutionäre in der Front, in der Armee bleiben. Nicht dadurch, dass man sie aus der Armee herausholte, konnte eine Revolutionierung des Heeres vor sich gehen. Was war die Folge davon, dass die Revolutionäre aus der Armee desertierten? Sie schwirrten im Lande umher, sie wären brach gelegt. Mit wenigen Ausnahmen war die Sache so. Wieviele sind den unter den Deserteuren, die ausgesprochene Revolutionäre wären? Von dem Augenblicke an, wo die Revolution im Lande siegte, wo an den Fronten die militärische Gewalt zusammenbrach und zertrümmert war, - das geschah in der Novembererhebung trotz alledem - da war die Möglichkeit gegeben, dass auch dieses Heer in ein Werkzeug der Revolution verwandelt wurde. Wenn die Soldatenräte auch noch vieles zu wünschen übrig ließen und wenn sich in ihnen schließlich bürgerliche Tendenzen durchsetzen konnten, so deshalb, weil die Revolutionäre nicht mehr im Heere wären. Daran ist nicht vorbeizukommen. Es ist allerdings eine leichte Sache, die Parole der Desertation auszugeben. Wir haben ein gut Teil mit dazu beigetragen, dass die imperialistische Front unterhöhlt und unterwühlt worden ist. Aber wir sind bis zum letzten Augenblick an der Stelle geblieben, wohin uns die imperialistischen Militärgewalten gestellt hatten und wir haben unserer Pflicht, im Heere selbst für die Auflösung der imperialistischen Disziplin zu wirken, bis zum letzen Augenblick Rechnung getragen. Wenn wir Levi vorgeworfen haben, dass er die Front erdolcht habe, so sind wir noch heute der Auffassung, dass die Parole, die er damals im Widerspruch zu dem Beschluss der ganzen revolutionären Gruppen in Deutschland herausbrachte, dazu beigetragen hat, nicht die imperialistische Front, wohl aber die sich bildende revolutionäre Front, und darauf kommt es an, von hinten erdolcht hat.

Der Referent hat Bezug genommen darauf, dass wir unsere Politik treiben von der Voraussetzung aus, zu einem Burgfrieden mit der Bourgeoisie zu kommen. Die Politik, die in der Adresse vertreten wird, finden Sie schon klar und deutlich ausgesprochen in den letzten Abschnitt der Broschüre «Zwischen der ersten und zweiten Revolution», eine Broschüre, die bereits der Heidelberger Konferenz vorgelegen hat. Es heißt da im Schlussabsatz des Schlusskapitels:

«Eine revolutionäre Partei wird ihre Politik und Taktik darauf einstellen, um die Durchführung jener Aufgaben zu erleichtern und zu ermöglichen. Enge Verbindungen, die sie mit den revolutionären Parteien in den Randstaaten, in Österreich und den westlichen Demokratien herstellt und unterhält, um eine gemeinsame Orientierung ihrer Politik und gemeinsames Handeln zur Forderung der Weltrevolution herbeizuführen, Losung der revolutionären Schichten des Landes aus aller Verbindung mit seinen reaktionären Institutionen, um sie zu jeder Stunde und unter allen Umständen zur Aktion zu befähigen, rücksichtslosester Kampf wider die Machtmittel und die organisatorischen Stützen der Konterrevolution, die alte Partei und die Gewerkschaften ebensowohl wie gegen die neue Armee und den bürgerlichen Parlamentarismus auch dort, wo er sich in das Gewand der Räte hüllt, Kampf um die Betriebe in den Betrieben selbst und Kräftigung der Betriebsräte durch revolutionäre Betriebsorganisationen, an die der sozialistische Gesellschaftsaufbau unmittelbar anknüpfen kann - das sind im Augenblick die Losungen ihrer Politik. Und während sie für die Beseitigung der nationalen Grenzen, für die friedliche Durchdringung der menschlichen Wirtschaften und Gesellschaften kämpft mit dem Ziel, dem deutschen Volk die ihm von der Entente vorenthaltene Freiheit zu sichern, in Sprache, Sitte und Wirtschaft nach seiner eigenen Art im Kreise der Menschheit zu leben und zu wirken, stützt sie sich mit aller Wucht und Kraft auf das Volk, die Nation, und sammelt es und ordnet seine Reihen zum Sturme wider die Versklavung unter der kapitalistischen Fremdherrschaft des Auslandes, um die Diktatur des Weltimperialismus im eigenen Lande durch den Sturz der Bourgeoisie, durch die Diktatur der werktätigen Nation zu überwinden, etc.»

Damals hat sich auch seitens derjenigen Genossen, die sich später mit uns in der K.P.D. zusammenfanden, kein Widerspruch erhoben. Es wird so dargestellt, als ob die Adresse ausgehe von dem Willen, mit der Bourgeoisie zu einem Burgfrieden, zu einer Verständigung zu kommen und zwar vor der Errichtung der proletarischen Diktatur. Diese Auffassung widerspricht dem klaren und deutlichen Wortlaut der Adresse selbst. In der Adresse ist ausdrücklich konstatiert, dass es sich um die Eroberung der Staatsmacht handelt, um eine Politik, die eine siegreiche Revolution durchzuführen hat.

Es heißt hier, das deutsche Volk steht an einem Abgrunde, wenn es nicht gelingt, eine Organisation des Volkes zu schaffen, die nach innen aufbaut und nach außen die Ketten sprengt. Diese Organisation vermag allein noch die Diktatur des Proletariats, das Rätesystem zu gewährleisten.

Hier ist klar ausgesprochen, dass es sich um eine Politik handelt, die das siegreiche Proletariat durchzuführen hat. Es ist charakteristisch für die Beweisführung, dass der Referent nur auf diesen einen Satz hingewiesen hat: «Und unter Voraussetzung, dass die Bourgeoisie die vom Proletariat vollzogene Machtergreifung rückhaltlos anerkennt, wäre die proletarische Diktatur an der Aufrichtung eines revolutionären Burgfriedens für die Zeit des Krieges nach außen nicht minder interessiert, wie im umgekehrten Verhältnis weiland Wilhelm II.», während er es aber unterlassen hat, den unmittelbar vorhergehenden Satz mit zu zitieren, der an dem Sinne nicht den geringsten Zweifel lässt.

Es heißt da:

«In einem Augenblick, in dem es sich darum handelt, den Krieg wider das Ausland aufzunehmen, ist gerade die herrschende Klasse, die Arbeiterklasse, am Frieden im Innern ausschlaggebend interessiert.»

Worin besteht der Burgfriede? Es ist doch klar, dass, wenn das Proletariat seine Diktatur aufrichtet, es diese seine Diktatur in bestimmte gesetzliche Formen bringt. Sobald ein Staat aufgerichtet wird, konsolidiert sich die neue revolutionäre Ordnung, die sich jedem durch das Mittel der Gesetze auferlegt. Gegen denjenigen vorzugehen, der diesen Gesetzen nachkommt, besteht keinerlei Veranlassung. Aber gegen diejenigen, die sich diesem gesetzlichen Zustande, diesem Burgfrieden, nicht beugen, wird mit aller Schärfe vorgegangen werden. Jeder staatliche Zustand ist Burgfriede, den die herrschende Klasse denen gewährt, die sich diesem gesetzlichen Zustande beugen. Der staatliche Zwang wird ausgeübt unter der Bedingung, dass jeder, der sich diesem Zwange fügt, unter dem Schutze, dem Burgfrieden der Gesetze lebt. Die Voraussetzung dafür, dass man gegen die Saboteure selbst mit Mitteln des Terrors vorgehen kann, ist eben, dass man denen, die sich dem staatlichen Zustande beugen, den Frieden der Gesetze gewährt. Nur wenn in dieser Weise verfahren wird, hat das Proletariat Aussicht, dass es in der Tat in Zeiten des Krieges seine Diktatur aufrecht erhalten kann. Wenn das Proletariat in einen ausländischen Krieg verwickelt wird, womit gerechnet werden muss, dann spielen jene Schichten, die die Lebensquellen des Landes in der Hand haben, eine sehr gewichtige Rolle. Bei uns in Deutschland wird ca. 2/3 der ganzen Bodenfläche von Klein und Mittelbauern bearbeitet. Die Ernährung hangt von der Erhaltung dieser Bevölkerungsschichten ab. Glaubt man, dass man mit diesen fertig wird, indem man den Terror proklamiert? Ich möchte hier in kurzen Ausführungen darauf hinweisen, dass die Auffassung, wie wir sie vertreten, und die Stellung, die wir gegenüber der Bourgeoisie einnehmen, im wesentlichen der Stellung entspricht, die auch Lenin in einer Rede auf dem 9. Kongress der Russischen Kommunistischen Partei eingenommen hat. Es heißt da:

«Und was denkt Ihr wohl. Als die Bourgeoisie das Feudalsystem ablöste, verwechselte sie da die Herrschaft mit der Verwaltung? Nein, so dumm wären die Bourgeois nicht. Sie sagten, dass man, um zu verwalten, Leute brauche, die zu verwalten verstehen; dazu müsse man die Lehnsherrn nehmen und sie ändern. So taten sie auch. Nun, war dies ein Fehler? Nein, Genossen. Die Fähigkeit, zu verwalten, fällt nicht vom Himmel und wird nicht vom heiligen Geiste geboren. Deshalb, weil die Arbeiterklasse eine vorgeschrittene Klasse ist, ist sie noch nicht von vornherein zur Verwaltung fähig. Das sehen wir an einem Beispiel. Als die Bourgeoisie siegte, nahm sie die Verwalter aus der Feudalklasse. Ja, woher sollte sie sie sonst nehmen? Man muss nüchtern auf die Sache sehen. Die Bourgeoisie nahm die vorhergehende Klasse und vor uns steht gegenwärtig dieselbe Aufgabe, die Kenntnisse, die technische Erfahrung, der vorhergehenden Klasse zu nehmen, sie uns zu unterwerfen, sie zum Siege der Arbeiterklasse auszunutzen. Wir sagen, dass die Klasse, die gesiegt hat, reif sein müsse, die Reife aber wird nicht durch Vorschrift oder eine Bescheinigung bewiesen, sie wird durch Erfahrung, durch die Praxis bescheinigt. Die Bourgeois siegten, ohne zur Verwaltung reif zu sein, und sie stellten ihren Sieg dadurch sicher, dass sie eine neue Konstitution proklamierten. Sie nahmen die Rekruten der Verwaltung aus ihrer Klasse und begannen ihre eigenen neuen zur Verwaltung vorzubereiten, zu welchem Zwecke sie den ganzen Staatsapparat in Bewegung setzten, die Feudalinstitutionen sequestrierten und nur diejenigen in die Schule ließen, die reif wären. Auf diese Weise bereiteten sie im Laufe vieler Jahre und Jahrzehnte Administratoren aus ihrer eigenen Klasse vor. Und gegenwärtig muss es in einem Staate, der nach dem Ebenbild der herrschenden Klasse eingerichtet ist, ebenso gemacht werden, wie dies in allen Staaten gemacht wurde. Wenn wir uns nicht auf die Position des reinsten Utopismus der leeren Phrasen stellen wollen, so müssen wir sagen, dass wir die durch die Revolution eroberte Konstitution sicher stellen müssen; für die Verwaltung aber, für die staatliche Organisation brauchen wir Leute, die die Technik der Verwaltung beherrschen, die staatliche und wirtschaftliche Erfahrung besitzen. Solche Leute aber sind nirgends zu finden als in der vorhergehenden Klasse.

„Auf Schritt und Tritt sind die Urteile über die Kollegialität in der Verwaltung vom Geiste einer unzulässigen Unwissenheit, vom Geiste der Feindseligkeit gegenüber dem Spezialistentum durchdrungen. Mit einem solchen Geiste kann man nicht siegen. Um zu siegen, muss man das ganze tiefe, historische Verhältnis verstehen, muss man daran denken, dass wir den Kommunismus auf den Trümmern der alten bürgerlichen Welt bauen, und um diesen Kommunismus zu bauen, muss man die Wissenschaft und die Technik nehmen, und sie für breitere Kreise anwenden. Das ist aber nirgends zu finden als bei der Bourgeoisie. Diese Grundfrage muss hervorgehoben und zu den Grundaufgaben des wirtschaftlichen Aufbaues gestellt werden».

Sie haben hier klar und deutlich die Auffassung, dass das Proletariat als herrschende Klasse auf das technische und spezialistische können der bis dahin herrschenden Klasse angewiesen ist. Wenn die Arbeiterklasse ihre gesellschaftliche Organisation aufbaut, dann muss sie diese Träger der bürgerlichen Klasse als Einzelpersonen eingliedern. Das geschieht in der Weise, dass sie eben für die gesellschaftliche Organisation zur Grundlage nimmt den Gesichtspunkt der nützlichen Arbeit. Die Auffassung, wie sie hier von Lenin kundgetan wird, deckt sich in allen großen grundlegenden Zügen, soweit es sich um die staatliche Notwendigkeit handelt, mit der Auffassung, die auch wir vertreten. Staatsgewalt ist stets Zwang. Die Eingliederung der Einzelglieder der Bourgeoisie geschieht auf der Grundlage der allgemeinen Arbeitspflicht. Sie ist ein staatlicher Zwangszustand, ein Gesetz, das mit allen Mitteln durchgeführt wird. Jeder, der sich fügt, steht im Schutze dieses Gesetzes, unter seinem Frieden, unter dem Burgfrieden.

Ich habe schon vorhin darauf hingewiesen, dass die Adresse ausgeht von dem Standpunkt, von der Tatsache der erkämpften, der errichteten proletarischen Diktatur. Man deutet nun die betreffende Stelle der Adresse dahin, als ob wir irgendein Abkommen mit der Bourgeoisie als Klasse im Auge gehabt hätten. Davon ist gar keine Rede. Wenn die Voraussetzung der ganzen Politik der Arbeiterklasse die Vernichtung der Bourgeoisie ist, wie sollte dann die Möglichkeit gegeben sein, mit ihr als Klasse ein Kompromiss zu schließen? Die Existenz einer Klasse als Klasse setzt politische Gewalt voraus, und ich habe vorhin dargelegt, dass sich der proletarische Staat dadurch ausdrückt, dass diese Bourgeoisie nicht nur als politische Macht, sondern auch soweit wirtschaftliche Organisationen bestehen, zertrümmert wird, dass lediglich noch Einzelpersonen von ihr übrig sind.

Es ist dann auch zum Ausdruck gebracht worden, dass die Politik, die wir vertreten, die Politik der Kapp-Lüttwitz selbst sei. Jedermann, der uns irgendwelche politische Gemeinschaft mit diesen Leuten nachsagt, beweist nur, dass er nicht politisch zu denken vermag. Wer sind die Kapp-Lüttwitze? Das ist das kleine Fraktiönchen der Konservativen, die auf einem preußischen Standpunkte stehen, die kleindeutsch sind, während wir doch den Gedanken der Zusammenfassung des ganzen deutschen Volkes propagieren. [Zuruf: Großdeutsch!] Es ist merkwürdig, dass, wenn man in Deutschland etwas sagt, man an gehöhnt und angelacht wird, während man dasselbe bei unseren russischen Genossen für ganz selbstverständlich hält. Panslavistisch heißt allrussisch und das steht auf dem Titel der russischen Verfassung.

Wie wir zu den Dingen stehen, das geht hervor aus dem, was sich jetzt im Reichstage abspielt. Die Deutschnationale Volkspartei hat augenblicklich nach einem Berichte des «Hamburger Fremdenblattes» folgende Anfrage an die Regierung gerichtet:

«In der Zeitschrift «Deutsche Wirtschaftshilfe» befindet sich folgende Nachricht: Kürzlich sprach in Elberfeld der Kommunist L. aus Hamburg in der Stadthalle zu der revolutionären Arbeiterschaft. Etwa 10.000 Personen aller Parteien wären anwesend. L. sprach aus, dass die Errichtung der Räterepublik in Kürze erfolgen würde. Waffen seien genug vorhanden. Die Verteilung würde frühzeitig erfolgen, nachdem das Zeichen zum Losschlagen gegeben sei.»

Die Deutschnationale Volkspartei fragt dann weiter an, was die Regierung dagegen zu tun gedenke.

Es zeigt sich da ganz klar und deutlich, welche Stellung die Kapp-Lüttwitz Gruppe speziell zu uns einnimmt, wie sie uns einschätzt. Die Kapp-Lüttwitz Gruppe weiß sehr gut, dass gerade die Politik, die wir vertreten, die preußisch-konservative ein für allemal erledigt. Als die Kapp-Lüttwitze zum erstenmale auf den Plan traten, das war im Juni vorigen Jahres, da handelte es sich anlässlich der Hamburger Unruhen darum, den Vormarsch Lettow-Vorbecks gegen Hamburg zu inszenieren. Damals war in ganz Deutschland in allen größeren Städten der Belagerungszustand verhängt, mit Ausnahme des Gebietes um Hamburg. Es ging das Ziel ganz offensichtlich dahin, in Hamburg die Arbeiterschaft zu provozieren, sie niederzuschlagen und dann auch dort die militärische Diktatur zu errichten. Und nicht nur dies. Was man wollte, ergab sich daraus, dass eben in jener Zeit die Präsidentschaftskandidatur des Prinzen Ruprecht von Bayern in die Öffentlichkeit geworfen wurde. Die Ziele der Reaktion liegen handgreiflich vor Augen. Den Kapp-Lüttwitzen ist das Spiel verdorben worden. Die Hamburger Taktik, die darauf hinauslief, das ganze Proletariat über die Parteien hinweg zusammen zu fassen und als Klasse zu bewaffnen, machte der Reaktion einen Strich durch ihre Rechnung. Dieser Clique ist von uns das Spiel verdorben worden, und sie hat es peinlichst unterlassen, sich uns irgendwie zu nähern. Als dann der Kapp-Putsch kam, verhandelte man mit Radek, Levi, da wurde auch der Name Rasch genannt, obschon ich keinen Zweifel habe, dass das nicht stimmte. Aber mich konnte man in Gollnow genau so leicht erreichen wie die anderen. Die Kapp-Lüttwitz-Leute haben sich wohl gehütet, auch nur durch irgendeine Zwischenperson die Andeutung von Verhandlungen zu machen.

Ich will nicht weiter auf die anderen Dinge kommen, will nur noch das eine sagen, dass, wenn man die Adresse falsch interpretieren will, man allerdings zu allerhand Konsequenzen kommen kann; was aber die Adresse besagt, ist eindeutig. Wer die Dinge unbefangen ließt, kann über die Sache keinerlei Zweifel haben.

Unser Standpunkt ist von Radek selbst in einem Artikel der Russischen Korrespondenz «Zur Charakteristik des Krieges mit Polen» aufgegriffen worden, und es zeigt sich, wie sehr der Name Kradek (Das heißt Dieb) auf einen Mann wie Radek zutrifft, der in diesem Artikel nur unsere Gedanken gestohlen hat. Es tut mir leid, dass ich Ihnen zur Kennzeichnung noch ein längeres Zitat verlesen muss. In der Roten Fahne hat Radek das Gegenteil dessen, was er hier behauptet, in langen Ausführungen gegen mich zu beweisen versucht. Es heißt dann in dem Artikel der Russischen Korrespondenz:

«Im ganzen Orient, in der Türkei, in China und Indien sind solche Kriege nicht nur möglich, sondern höchst wahrscheinlich werden sie die Folge des geschwächten europäischen Kapitalismus sein, der diese Länder ausbeutet. Aber ist ein nationaler Krieg der Bourgeoisie in Europa selbst möglich? Ist augenblicklich ein nationaler Krieg in Deutschland oder Ungarn denkbar? - Wenn es sich um einen Krieg der Bourgeoisie Deutschlands oder Ungarns gegen das Ententekapital handelt, das durch den Versailler Frieden diese Länder zertreten, das ihnen ein wirtschaftliches Joch aufgezwungen hat, so unterliegt es keinem Zweifel, dass, obgleich das Bestreben, einen solchen Krieg zu führen, vorhanden ist, dieser Krieg doch nicht geführt werden kann, denn die Kapitalisten dieser Länder befinden sich gleichzeitig im Gegensatz zur Arbeiterklasse und zur Entente. Da die Arbeiterklasse sie mit der Vernichtung ihrer Lage als herrschende Klasse bedroht, die Entente sie dagegen zu Mittelpersonen ihrer Ausbeutung der Volksmassen Deutschlands und Ungarns macht, so wird die nationale Feindschaft gegenüber der Entente übertroffen durch die Feindschaft des Kapitals gegen das revolutionäre Proletariat. Aber bedeutet dies, dass das Proletariat, das diese Bourgeoisie besiegt hat, das Joch des fremden Kapitals ruhig ertragen wird? - dass es in zersplittertem Zustand und unter dem Joch des Ententekapitalismus - imstande sein wird, die Diktatur zu errichten und an diesen sozialen Aufbau heranzugehen? Wenn in Deutschland und in den Donauländern die Revolution eher siegt, als in Frankreich, England oder Amerika, so wird das Proletariat dieser Linder vor der Frage des Krieges gegen die Entente stehen - eines Krieges, der zeitweise aus taktischen Gründen mit diplomatischem Lavieren zu umgehen sein wird, der aber eine historische Notwendigkeit werden kann. Dieser Krieg wird die Befreiung des Gebietes, auf dem das deutsche und ungarische Proletariat, das durch den Lauf der Ereignisse für die Diktatur des Proletariats bereits reif geworden ist, lebt, zum Ziele haben. Es wird der Krieg sein um die Vereinigung des ganzen Gebietes der deutschen oder ungarischen Nation in den Händen des deutschen oder ungarischen Proletariats. Die Klassen, die den Krieg führen, sind andere geworden, aber das nationale Ziel ist gleich geblieben - die Einigung des ganzen, von einer und derselben Nation durch Völkerten Gebietes in Händen der herrschenden Klasse: in der kapitalistischen Epoche war es die Bourgeoisie, die zur Einführung des Kapitalismus das Gebiet der Nation zu einigen bestrebt war, in der Epoche der Arbeiterrevolution tut dasselbe das Proletariat zur Einführung des Kommunismus. Wer leugnet, dass in diesen Kriegen nationale und soziale Ziele vereinigt sind, der leugnet Tatsachen. Wer sagt, dass die Zusammenfassung des nationalen Gebietes nur ein Mittel zu einem höheren Zwecke ist, zur Diktatur des Proletariats und zur Einführung des Kommunismus, der vergisst, dass auch für die Bourgeoisie das nationale Territorium kein Selbstzweck war; das Ziel, dem die Zusammenfassung der nationalen Gebiete diente, war die Errichtung der Herrschaft der Bourgeoisie zur Organisation der kapitalistischen Produktion. Darum verzichtete die Bourgeoisie, wenn es notwendig war, auf einen Teil des nationalen Gebietes. Der Verzicht des Proletariats - aus taktischen Erwägungen auf einen Teil seines nationalen Territoriums oder das Oberschreiten seiner Grenzen bietet in dieser Beziehung nichts Neues. Der soziale Krieg des Proletariats, das von fremdländischem Kapital bedroht ist, ist ein ebenso nationaler Krieg, wie der Kampf der Bourgeoisie gegen fremde Unterjochung ein nationaler Krieg war. Diesem Grundsatz widerspricht nicht die Tatsache, dass das Proletariat sein nationales Ziel nicht nur durch den Krieg gegen den äußeren Feind, sondern auch im Bürgerkrieg gegen die eigenen Grundbesitzer erreicht. Die Epoche der bürgerlichen Nationalkriege war gleichzeitig die Epoche des Bürgerkrieges der jungen Bourgeoisie gegen die eigenen Grundbesitzer, die oft Hand in Hand mit dem fremdländischen Ausbeuter und Unterdrücker marschieren.“

Das ist der Standpunkt, wie er in der Hamburger Adresse niedergelegt ist. [Zuruf: Nein! Erneuter Zuruf: Jawohl!]

Radek geht dann weiter:

„Uns droht eine andere Gefahr, die darin besteht, dass wir in diesem schweren Kampf der uns bevorsteht, nicht imstande sein werden, alle gesunden patriotischen Instinkte genügend auszunutzen, die in den Volksmassen Russlands und den breiten Klassen der Intelligenz leben, die uns sicher nicht aus sozialen Gründen feindlich genüberstand, sondern weil sie uns für Elemente der Zersetzung des russischen Volkes betrachtete.

„Der Bauer war kein Patriot, solange er sich unter dem Joch in vollständiger Rechtlosigkeit befand“.

Der theoretische Standpunkt, wie er in der Adresse niedergelegt ist, deckt sich mit dem von Radeks Schrift. Aber in einem Punkte besteht eine Differenz, und das ist der folgende:

Alle Arbeiter, der ganzen Welt müssen jetzt russische Patrioten sein, denn Russland ist das einzige Land, in der die Arbeiterklasse die Macht in Händen hat».

Also russischer Patriot muss man sein. Man darf nur nicht davon reden, dass das deutsche Proletariat eine deutsche Revolution zu machen hat. Man kann so und man kann so. Es ist typisch, dass die Forderung, die Nationalbolschewisten hinauszuwerfen, zum eigentlichen Vater den Mann hat, dessen Artikel ich eben verlesen habe. Das Kradek-Spielen scheint dem Manne in der Tat im Blute zu liegen, indem er sich die Gedanken anderer aneignet, um dann diese anderen dafür aus der Organisation hinauszuwerfen.

Man hat uns auch die Auffassung von Marx und Engels entgegengehalten. Die betreffende Stelle im Kommunistischen Manifest heißt: «Die Arbeiter haben kein Vaterland, man kann ihnen nicht nehmen, was sie nicht haben». Die Arbeiter haben folgende Aufgabe, die ihnen das Kommunistische Manifest in derselben Zeile zuweist:

«Indem das Proletariat zunächst sich die politische Macht erobern, sich zur nationalen Klasse erheben, sich selbst als Nation konstituieren muss, ist es selbst noch national, wenn auch keineswegs im Sinne der Bourgeoisie».

Das internationale Proletariat hat bestimmte Aufgaben:

«Die nationalen Absonderungen verschwinden mehr und mehr schon mit der Entwicklung der Bourgeoisie, mit der Handelsfreiheit, dem Weltmarkt, der Gleichformigkeit der industriellen Produktion und der ihr entsprechenden Lebensverhältnisse. Die Herrschaft des Proletariats wird sie noch mehr verschwinden machen. Vereinigte Aktion, wenigstens der zivilisierten Länder, ist eine der ersten Bedingungen seiner Befreiung.»

Die nationalen Absonderungen und Grenzen verschwinden, aber die Nation, die Völker, die verschwinden nicht. [Zuruf: Einheitsmenschen!] In der Schrift, die Marx über die Pariser Kommune geschrieben hat, wird ausdrücklich der Arbeiterschaft als eine der Aufgaben der proletarischen Diktatur die Organisation der Einheit der Nation zugewiesen. Marx‘ Auffassung und Stellung zur Nation ist recht tief eingewurzelt gewesen. In der Erklärung zur russischen Verfassung steht im 1. Artikel der Satz:

Die russische Sowjetrepublik wird auf der Grundlage eines freien Bundes freier Nationen als eine Föderation nationaler Sowjetrepubliken errichtet“.

Denken Sie denselben Satz, denselben Zustand, wie er heute in verfassungsrechtlicher Beziehung besteht, erweitert auf die ganze Erde: was wird dann die dritte Internationale sein? Sie wird sein ein „freier Bund freier Nationen, eine Föderation nationaler Räterepubliken“. Dem haben wir nichts hinzuzufügen.

Ich habe schon darauf hingewiesen, dass eine große Ähnlichkeit mit der Situation von Heidelberg besteht. Damals war es der Syndikalismus, der als Popanz aufgerichtet wurde, heute ist es der Nationalbolschewismus. Unserer Ablehnung des Bürgerkrieges will ich noch einige Bemerkungen widmen.

Man sagt, dass wir Gegner des Bürgerkrieges sind. Wir wissen sehr wohl, dass die Revolution nicht mit Glaceehandschuhen gemacht wird. Es wird dabei sehr derb zugehen. Die Revolution ist ein gewaltsamer Kampf, ist Bürgerkrieg; aber wir haben in Deutschland bisher dafür den Ausdruck Revolution gehabt und wir haben dabei allesamt verstanden, was damit gemeint war. Wenn in Deutschland die Arbeiterklasse ihre Herrschaft errichtet, dann findet sie sich in einer anderen Situation als die russische. In Russland begann die Ausübung der Macht mit dem Bürgerkrieg. Wenn das Proletariat in Deutschland die Macht erobert, dann ist in Deutschland der Bürgerkrieg zu Ende. Er steht bei uns am Ende des Kampfes. Was in Deutschland alsdann beginnt, ist die zweite Phase der Revolution, die wir Diktatur genannt haben. Die Diktatur des Proletariats [Zuruf: Ist doch Bürgerkrieg!] ist die Anwendung von Zwangsmitteln gegen die widerstrebenden Schichten. Der Bürgerkrieg von dem Augenblick der eroberten Macht an ist kein Mittel der proletarischen Revolution, sondern der Konterrevolution. Als im November 1918 das Proletariat die Macht bekam, wer hatte da ein Interesse am Bürgerkrieg? In Deutschland ist vom ersten Tage der Revolution an dem Bürgerkrieg das Mittel der Bourgeoisie gewesen.

Es schließt eine ungeheure Gefahr ein für die Politik einer Klasse, wenn sie das politische Schlagwort ihrer Gegner aufgreift. Was hat die Revolution zugrunde gerichtet? Ganz wesentlich die Tatsache mit, dass einmal die Vertreter der Revolution es ablehnten, in die Räte zu gehen, weil dort ja auch U.S.P.-und S.P.D.-Leute saßen, zum zweiten dadurch, weil man dazu übergegangen war, die Parole des Bürgerkrieges nicht nur aufzugreifen, sondern auch praktisch auszuführen. Von dem Augenblick an, wo man den roten Soldatenbund schuf, leistete man dem Bürgerkrieg den größten Vorschub. Es kommt nicht darauf an, welchen Sinn man in die Parolen hineinlegen will, sondern darauf, wie die Ereignisse die Parolen interpretieren. Und da stehen wir in Deutschland vor der Tatsache, dass vom ersten Tage der Novembererhebung an, wo das Proletariat die Macht in den Händen hatte... [Zuruf: War ja gar nicht der Fall. Widerspruch, Unruhe.] Ja, hat denn das Proletariat im November die Macht nicht gehabt? [Zuruf: Nein!] Man ist also der Meinung, dass die Novembererhebung nicht die Macht in die Hände der Arbeiterschaft gelegt habe. Eine Klasse ist von dem Augenblicke an zur Macht berufen, wo die Macht der ihr gegenüberstehenden Klasse zertrümmert ist. Das war sie. [Zuruf: An der Front war sie zertrümmert, nicht im Lande!] Die Situation im November 1918 war doch einfach die: Während des Krieges war die gesamte politische Macht konzentriert in den Händen der Generäle. Diese übten die Diktatur aus. Von dem Augenblick an, wo diese militärische Diktatur zerschlagen war, war die politische Macht der Gegenseite zerschlagen, war die Arbeiterklasse dazu berufen, selbst ihren Staat zu errichten. Wie ist es denn in Deutschland überhaupt möglich gewesen, eine Herrschaft der Bourgeoisie auszuüben? War sie das etwa aus eigener Macht? Doch nur dadurch, dass Teile der Arbeiterklasse, dass Verräter sich dazu hergaben, Teile der Arbeiterorganisationen in den Dienst dieser kapitalistischen Herrschaft zu stellen. Eben weil die Bourgeoisie nicht in der Lage war, nach dem Kriege ihre eigene Herrschaft zu errichten, deshalb der Anschluss an das ausländische Kapital. In dem Augenblick, wo der Bourgeoisie die letzte Stütze, die Verräter der Arbeiterschaft, bricht, wo die Arbeiter der Mehrheit zu denken anfangen, ist die Bourgeoisie genötigt, sich in die geöffneten Arme der ausländischen Bourgeoisie zu werfen, und diese in noch höherem Masse als im Versailler Vertrage als Rückendeckung gegen das Proletariat des eigenen Landes heranzuziehen. Es heißt die Augen verschliefen, wenn man nicht sieht, wie die Herrschaft der deutschen Bourgeoisie sich anlehnt an die bewaffnete Macht der Entente. Für das deutsche Proletariat erwächst die Erkenntnis, dass in dem Augenblick, wo in Deutschland die soziale Revolution losbricht, die deutsche Arbeiterschaft es nicht nur zu tun haben wird mit der deutschen Bourgeoisie, sondern gleichzeitig mit der Bourgeoisie des Auslandes. [Zuruf: Bestreitet niemand!] Seitdem wir den Versailler Frieden haben, ist mit dem Ausbruch der Revolution in Frankreich sobald nicht zu rechnen. Der fremdländische Kapitalismus bekommt aus Deutschland heraus die Wirtschaftsmittel, die ihm in seinem Lande den Wiederaufbau der kapitalistischen Wirtschaft ermöglichen. Frankreich ist gerade durch den Versailler Frieden zurückgeworfen worden auf den Standpunkt, auf dem es vor dem Kriege stand. Die Revolution in diesen Ländern bekam den schärfsten Schlag dadurch, dass es den kapitalistischen Klassen dieser Linder ermöglicht war, Wirtschaftsmittel in großem Umfange aus Deutschland herauszuziehen. So wurde die Struktur, die Frankreich vor dem Kriege hatte, die Struktur einer konterrevolutionären Nation, durch den Versailler Frieden aufs neue stabilisiert. Solange es in Deutschland selbst nicht zu einem Umsturz dieser Verhältnisse gekommen ist, solange ist in Frankreich vor allen Dingen nicht damit zu rechnen, dass dort eine proletarische Revolution losbricht. Wie stehen die Dinge aber bei uns? Sind wir hier in Deutschland in der Lage, die durch den Versailler Vertrag geschaffene Situation ihren Gang gehen zu lassen, oder ist nicht das Proletariat gezwungen, diesen Zustand zu brechen? Wenn unsere Politik ist, zur Revolution hinzutreiben, ganz unbekümmert, wie die Dinge in Frankreich stehen, ist da nicht mit der sozialen Revolution zugleich der Aufstand gegen die Entente gegeben? Ist nicht Deutschland heute eine Kolonie der Entente?

An der Situation, wie sie sich darstellt, kann kein Zweifel bestehen. Für uns handelt es sich darum, klar in die Erscheinung treten zu lassen, dass es sich hier nicht um einen augenblicklichen Einfall handelt. Wir haben diese Politik 1914 vertreten, als wir den Kampf gegen den Burgfrieden aufnahmen. Genau dieselbe Linie haben wir eingehalten in den Tagen des Novembers durch die Forderung, dass die Arbeiter den Massen als Klasse sich zusammenschließen sollen, dass die Revolution konsolidiert werden solle durch die Zusammenfassung der Räte, dass diese Räte eine auswärtige Politik treiben sollten die im Osten gerichtet war auf den unmittelbaren Anschluss an Russland. Im Osten verlangten wir eine Politik, die die Aufrichtung jener großen Staatenbarriere unmöglich machte. Ware diese revolutionäre Politik getrieben worden, kein Zweifel, dass jene Barriere jemals aufgekommen wäre. Nach Westen verlangten wir eine Politik des revolutionären Widerstandes. Wir verlangten, dass die Formationen, die aus dem Westen zurückkamen, beibehalten würden, bis im Lande die Schaffung einer neuen revolutionären Armee durchgeführt war. Die Räte müssen zusammengefasst werden, ein neuer Staat geschaffen werden. Dieser Staat hatte sich seine Armee zu schaffen auf der Grundlage der betriebsweisen Bewaffnung, der Zusammenfassung der arbeitenden Massen als Klasse. Bis dieser Augenblick erreicht war, verlangten wir, dass man im Westen sich nicht einlasse auf eine Politik der Verständigung mit dem Völkerbund, dass man, wenn man schon unterschrieb, eine Machtformation in der Hand behielt, um der Entente wenigstens eine Macht entgegen setzen zu können. Wir verlangten, dass die Tatsache, dass die Gewalt in die Hände der Räte übergegangen war, benutzt wurde, um der Entente einen Damm entgegen zu setzen. Es hing genauso wie im Osten, so auch im Westen, von dem Willen der Revolution im Lande ab, ob eine solche Politik durchgeführt werden konnte, Gegen ein proletarisches Deutschland hätte die Entente den Kampf nicht aufnehmen können, und sie würde ihn auch nicht aufgenommen haben. Das ging über ihre Kraft.

Das war die Politik, wie wir sie im November 1918 verlangt haben, sie war die Fortsetzung dessen, was wir im August 1914 taten.

Ob hier Mehrheitsbeschlüsse herbeigeführt werden oder nicht, ist vollkommen gleichgültig. Über die Richtigkeit einer Politik entscheiden nicht Beschlüsse irgendwelcher Parteitage, die Richtigkeit einer Politik wird bewiesen durch den Gang der politischen Entwicklung. Eine Politik, die im August 1914 in ganz Deutschland verlacht wurde, die im November 1918 verspottet worden ist, steht heute im Brennpunkte einer neuen Organisation der Arbeiterklasse, steht im Brennpunkte der ganzen öffentlichen Debatten, der politischen Entwicklung selbst. Nachdem in jahrelangen Kämpfen die Situation bis auf diesen Grad gediehen ist, nachdem Sie selbst Gelegenheit genommen haben, uns in großen Massenversammlungen in Berlin unsere Auffassungen darlegen lassen haben, haben Sie selbst nicht wenig dazu beigetragen, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass diese Politik in den Mittelpunkt der Debatten gerückt ist. Die Massen tun nicht das, was wir wollen, sondern sie tun das, was sie in dieser Situation tun müssen. In dieser Situation setzt sich das Notwendige durch und wir haben die Zuversicht, dass der Politik, die wir treiben, die Zukunft gehört, gleichgültig, was Sie hier beschließen.

R. (RASCH) - Berlin: Da bis jetzt schon vierzehn Redner eingezeichnet sind, wird es zweckmäßig sein, ohne einem Redner das Wort abschneiden zu wollen, eine Beschränkung der Redezeit eintreten zu lassen, andernfalls der Parteitag wohl wochenlang dauern würde. Ich möchte eine Viertelstunde vorschlagen.

Th. (THYSSEN) [Johannes GRAUDENZ] - Rheinland: wendet sich gegen diese Beschränkung.

Der Antrag auf 15 Minuten Redezeit wird angenommen.

R. (RASCH) - Berlin: Ich habe dann noch folgendes Telegramm aus Stockholm bekanntzugeben:

„Wir danken für die brüderliche Einladung zum Parteitag.

Sind leider verhindert. Wir hoffen lebhaft, dass der Parteitag zur Sammlung der revolutionären Arbeiter Deutschlands beitragen wird. Wir bedauern lebhaft die Zersplitterung in Deutschland. Es lebe die revolutionäre Einigkeit, es lebe der Geist Karl Liebknechts und Rosa Luxemburgs! Es lebe die dritte Internationale.

Mit kommunistischem Gruß. Linkspartei Schwedens. Ström.»

W. (WERNER) - Frankfurt a/M.: Ich habe folgende Erklärung abzugeben:

«Da der Parteitag es für gut befunden hat, Delegierte, welche zu Unrecht hier als Delegierte erschienen sind, als stimmberechtigte anzuerkennen, ist es dem Vertreter Frankfurts nicht möglich, sich an weiteren Abstimmungen zu beteiligen und macht für die Spaltung der Partei diejenigen verantwortlich, die sie bewusst herbeiführen wollen». W. (WERNER) - Frankfurt a/M.

R. (RASCH) - Berlin: Es stehen zur Debatte die folgenden Anträge:

1. Antrag des Wirtschaftsbezirks Gross-Berlin:

Der Bezirk Groß-Berlin hält den Standpunkt der Hamburger Genossen, wie er hauptsächlich durch die Genossen Wolffheim und Laufenberg repräsentiert wird, betreffend die Fragen der Nation, Burgfrieden, Volkskrieg u.s.w. für nicht vereinbar mit dem Programm der K.A.P.D. Er ersucht deshalb die Organisationen, und einzelne Genossen, die diesen Standpunkt teilen, daraus auch die notwendigen Konsequenzen zu ziehen.

2. Antrag des Wirtschaftsbezirks Groß-Thüringen:

Die Frage des sogenannten Hamburger Nationalbolschewismus soll in den Mitgliedschaften entschieden werden, nachdem auch die Hamburger zu Worte gekommen sind. Die Reichskonferenz soll diese Frage als Punkt auf die Tagesordnung setzen.

3. Antrag des Wirtschaftsbezirks Mitteldeutschland:

„Die Genossen Laufenberg und Wolffheim und alle, die ihre nationalistischen Tendenzen teilen, aus der Partei auszuschließen.

„Zu dem letzten Antrage bemerke ich, dass er unmöglich hier zur Entscheidung gebracht werden kann, denn unser Statut besagt, dass der Ausschluss eines Genossen nur durch seinen Wirtschaftsbezirk zu erfolgen hat. Sache des Parteitages ist es, klare Richtlinien für die Partei aufzustellen. Dann mag jeder selbst entscheiden, ob er noch Mitglied der Partei zu bleiben hat.“

An Anträgen sind inzwischen noch eingegangen:

4. Von der Ortsgruppe Wilhelmshaven:

Die Mitglieder der K.A.P.D. (Ortsgruppe Wilhelmshaven) haben in Sachen Laufenberg-Wolffheim folgende Resolution angenommen:

„Wir stehen nach wie vor auf dem Standpunkt, dass nur durch die Propaganda des schärfsten Klassenkampfes unser Ziel verwirklicht werden kann. Gedankengänge, die darauf hinauslaufen, durch In - den - Vordergrundstellen nationalistischer Tendenzen bürgerliche Kreise zur freiwilligen Mitarbeit und Einfügung in die Rätediktatur heranzuziehen, lehnen wir als verwirrend ab, da wir überzeugt sind, dass sich die am kapitalistischen System Interessierten nur der Gewalt der Tatsachen fügen werden. Ebenso lehnen wir es aber ab, irgendwelcher Instanz, selbst der der Internationale, das Recht zuzugestehen, in Angelegenheiten, die nur die Partei selbst angehen, dieser bestimmte Verpflichtungen aufzuerlegen.“

5. Von der Ortsgruppe Altona:

„Die Ortsgruppe Altona steht auf dem Boden des verschärften Klassenkampfes und lehnt die national-bolschewistische konterrevolutionäre Politik der Genossen Laufenberg und Wolffheim ab.“

Wir treten nunmehr in die Diskussion ein.

Sch. (SCHWABE?) - Eisenach: Ich glaube, wer den Ausführungen des Genossen L. gefolgt ist, wird sich wohl, wenn er es schon für nötig befunden hat, die Auslassungen der Broschüren und Artikel zu studieren, klar gewesen sein, dass das, was man von bestimmten Kreisen in die Gedankengänge hineinzulegen versucht, nämlich einen nationalen Gedanken, garnicht darin zu finden ist. Man muss sich überhaupt bei Behandlung dieses Themas fragen, ob denn die Verfechter des Marxismus, ob auch der Genosse G. (Goldstein) auf dem Boden des Marxismus steht. Wir müssen den Bürgerkrieg ablehnen, weil sich in diesem Kampfe zwei gleich große Faktoren gegenüberstehen, und der Kampf nur dazu führt, dass sich beide Parteien verbluten. L. hat Ihnen auseinandergesetzt, wie die Sätze vom Bürgerkrieg im proletarischen Sinne zu verstehen sind. Haben wir nicht vom ersten Tage der Revolution an den Bürgerkrieg in Permanenz? Müssen wir nicht dazu übergehen, die revolutionäre Bewegung dahin zu drängen, dass es zur sozialen Revolution kommt, um nicht unterzugehen als proletarische Klasse? Halten wir uns vor Augen, was in Spa gegen das deutsche Proletariat herausgekommen ist. Haben wir ein Interesse daran, dass man dazu übergeht, das deutsche Proletariat zu entwaffnen? Oder haben wir nicht vielmehr ein Interesse daran, dass sich die Revolution durchsetzt. Wir haben uns damit zu beschäftigen, welche Wege wir gehen müssen, um zu unseren Zielen zu gelangen. Man darf den einzelnen Genossen nicht das Recht absprechen, über all diese Fragen zu diskutieren. Will einer behaupten, dass sie damit gegen die Grundsätze unseres Programms verstoßen haben? [Jawohl!] Dann bezeugt das, dass Sie nicht lesen können. Unter anderen Auslassungen hat man ja auch den Maiaufruf der Genossen L. und W. angegriffen und ihn als nationalbolschewistisch verschrien. Ich möchte ihn noch einmal kurz zur Verlesung bringen, um zu zeigen, was darin enthalten ist. [Redner verliest hier den größten Teil des Maiaufrufs, der bekannt ist.] Diese Gedankengänge spinnen sich wie ein roter Faden durch die ganzen Ausführungen der beiden Genossen.

Pf. (PFEMFERT) - Gotha: In einer Viertelstunde ist es natürlich nicht sehr einfach, auf ein Referat zu antworten, was stundenlang währte und ausgiebig mit Zitaten arbeitete. Wenn ich jetzt anfangen würde, zu zitieren, würde ich meine ganze Viertelstunde mit Zitaten opfern. Der Genosse L. ist zwar heute um den Brei herumgegangen, er hat aber die Tatsache nicht aus der Welt schaffen können, dass er und Genosse W. nicht nur nationalbolschewistisch sind, dass sie sogar auf dem Wege sind, antisemitische Tendenzen in das deutsche Proletariat zu tragen.

Es handelt sich nicht darum, dass wir auf höheren Befehl gegen L. und W. vorgehen, nur, weil es dieser Radek verlangt, sie auszuschließen, sondern wir haben uns, bevor Radek sich geäußert hat, gegen L. und W. wenden müssen. Mit der Phraseologie von den «fremden Horden» stützt man die Konterrevolution, denn sie hat es in der Hand, dieselben Worte zu benutzen. Wenn L. es so darstellt, als sei 1918 die deutsche Revolution vollendet gewesen, so ist das eine Fiktion. Wir wissen doch sehr wohl, dass Foch die Front zermürbt hat, und dass es möglich war, dass Hindenburg die Truppen «geordnet» zurückführen konnte. Wir wissen, dass auch die Räte auf Befehl der Heeresleitung gebildet worden sind, um dieses Instrument zu missbrauchen. Die Bewaffnung des Proletariats bestand nicht darin, dass man das Heer umschaltete. Es ist nicht richtig, dass die Bolschewisten nicht mit der Parole Bürgerkrieg an die Macht kamen, sondern mit der Parole Burgfrieden und nationaler Volkskrieg. Diese Parolen gaben die Menschewisten aus. Demgegenüber verlangten die Bolschewisten Frieden und haben auch mit dieser Parole den Frieden von Brest unterzeichnet, um eine Atempause zu bekommen. Erst nachdem sie das Heer umbauen konnten, war es ihnen möglich, den revolutionären Volkskrieg auszurufen. Und auch dabei wären sie stets noch in der Defensive. Sie verlangen noch heute alle vierzehn Tage den Frieden von der Entente. L. war 1914 gar nicht gegen den Krieg, sondern nur gegen den Burgfrieden. Er sollte es nicht so herausstellen, als ob er der einzige gewesen wäre, der 1914 das richtige getan hätte. L. verlangt mit anderen Worten das, was auch Haase 1914 proklamiert hat: Wir Lassen in der Stunde der Gefahr unser Vaterland nicht im Stich.

Deutschland kann dem Ententekapital nichts anderes zur Verfügung stellen, als die Arbeitsprodukte des deutschen Proletariats. Man muss den Glauben an das Klassenbewusstsein verloren haben, wenn man die Gedanken des Genossen L. zu seinen eigenen macht. - Es kann uns gar nicht daran gelegen sein, den Ausschluss der beiden Genossen zu betreiben, vielmehr festzustellen, was wir wollen.

Es ist kindisch, Radek vorzuwerfen, dass er Laufenbergs Gedanken gestohlen hat. Wir konnten dann eigentlich nur froh sein, denn dann wäre Laufenberg sie los. [Heiterkeit]

J. (JUNG) - Berlin: Der Vorredner hat schon darauf hingewiesen, dass L. um die wesentlichsten Punkte herumgegangen ist. Ich erblicke darin ein Referat, das nur auf Wirkung ausgeht und das geeignet ist, Unorientierte einzufangen. Wir müssen zunächst feststellen, dass der Vorwurf, wir bereiteten eine zweite Heidelberger Konferenz vor, voll und ganz auf die Hamburger Genossen zurückfällt. Es ist festgestellt, dass die Hamburger Genossen sich bereits mit Spaltungsgedanken getragen haben. Es ist weiter festgestellt, dass hier fortgesetzt von Spaltung gesprochen wird. Wenn die Genossen das Programm kennen würden, würde dieses Wort gar nicht in die Debatte geworfen werden kennen. Wir bemühen uns ja eben um die Feststellung dieses Programms. Wir haben also diejenigen Richtlinien herauszuarbeiten, die wir als grundlegend betrachten wollen. Diesen Versuch, zu einer Einigung zu kommen, als Spaltung zu bezeichnen, ist so demagogisch, wie wir es in der proletarischen Bewegung wohl kaum noch erlebt haben. Es ist notwendig, darauf hinzuweisen, dass alles das, was die Hamburger Genossen dem Spartakusbund, resp. uns als in seinen Bahnen wandelnd, vorwerfen, auf sie selbst zurückfallt, wenn man hört, dass 1. die Hamburger einen direkten Betrug begangen haben, indem sie das Kernwort des Programmentwurfs ohne eine Anmerkung aus diesem Entwurf entfernt haben, ohne dass sie ihren Mitgliedern davon Kenntnis gegeben haben, dass zweitens die Unterschrift unter dem Maiaufruf gefälscht ist. [W. - Hamburg: Wir haben den Auftrag von G. bekommen!] Der Geschäftsführende Ausschuss wird dann dazu die nötige Erklärung abgeben. Der Maiaufruf wirkte in einer solchen Weise dem Proletariat gegenüber provozierend, dass man darin nur eine wohlvorbereitete Aktion zur Sprengung erblicken kann. Wenn die Genossen L. und W. dann gleichzeitig auf die Autonomiebestrebungen spekulieren, so kann man sich ein Bild machen von der Kampfesweise der Hamburger Richtung.

Ich möchte fragen: gibt es denn eine Klassenorganisation des Proletariats ausschließlich in Deutschland, oder ist sie international? Vor dieser Frage ist L. geflissentlich ausgewichen. Die Frage des Krieges gegen die Entente trägt einen ausgesprochen konterrevolutionären Charakter. Wir müssen alles daransetzen, von der Entente in Ruhe gelassen zu werden. Wer dem Proletariat einen Dienst erweisen will, muss im Auslande den Eindruck zu erwecken verstehen, als ob es eine Unmöglichkeit wäre, dass das Proletariat einen Krieg gegen die Entente führen könne. Die Propaganda L’s und W’s entwindet uns diese Mittel, sie schafft den Nährboden der Zusammenfassung der Arbeiterschaft unter den alten imperialistischen Kriegsgesetzen. Wir sind und wollen nicht mehr eine Politikantenpartei sein; für Politikanten haben wir keinen Platz. Wir verbitten es uns, über Selbstverständlichkeiten orientiert zu werden und in irgendeiner Weise als unmündige Kinder behandelt zu werden. Wir sind zusammengekommen, um die Richtlinien zu finden, um das Proletariat sammeln zu können. Wir dürfen keine Haarspaltereien in unserer Kampfgruppe dulden.

R. (RASCH) - Berlin: Ich bin über die Ausführungen des Genossen Sch. (Schwabe?) - Eisenach sehr erstaunt, war er es doch, der am 29. Juni in der Sitzung des Zentralausschusses einer derjenigen war, die der vom Zentralausschuss vorgelegten Resolution zustimmten. [Zuruf Sch. (Schwabe?) - Eisenach: Das ist nicht wahr!] Das kannst Du nicht ableugnen; Du hast sogar der verschärften Resolution zugestimmt. Es kommt mir so vor, als ob Du dann Deine Meinung gewechselt hast, wie unsereins manchmal sein Hemd wechselt. [Heiterkeit]

Um was dreht es sich? Wenn wir als K.A.P.D. unsere Haltung bestimmen wollen, so können wir das nicht tun von dem engen Rahmen der Nation aus. Unsere Politik kann nur eingestellt werden vom Standpunkt des internationalen Klassenkampfes des Proletariats aus. Von diesem Punkte aus haben wir die deutsche Bourgeoisie zu bekämpfen. „Deutsche Politik ist deutsche Politik, russische Politik ist russische“, so sagte der Genosse Laufenberg anlässlich einer Versammlung in Hamburg. Ich sage unsere Politik ist proletarische internationale Klassenkampfpolitik. [Sehr richtig!] Darüber kann es mit uns kein Rechten geben. Ich würde, genauso wie ich es beim Spartakusbund getan habe, mein Mitgliedsbuch zerreißen, wenn die nationalistischen Tendenzen der Hamburger Genossen in der Partei die Oberhand bekommen würden. In einem Augenblick, wo die Russen hart an der deutschen Grenze stehen, wo jeder Tag uns vor neue gewaltige Aufgaben stellt, schreibt die Hamburger K.A.Z.: Soll Deutschland russischer Randstaat werden? Ich habe mit dem Kopfe geschüttelt, als ich das las. Heute ist die Parole für uns: Waffenbündnis mit Sowjetrussland! Die Ansichten, wie sie durch alle Broschüren und Artikel der beiden Genossen gehen, sind nur darauf gerichtet, den Bürgerkrieg zu bekämpfen und den Volkskrieg zu propagieren. Ich habe Gelegenheit gehabt, mit Genossen des Auslandes zu reden. Aber überall wurde dieser Standpunkt einfach nicht begriffen, der darauf beruht, im Auslande den Chauvinismus durch die Genossen L. und W. vertreten zu Lassen. Nehmen Sie den Antrag Berlins an und dann mögen die Genossen die Konsequenzen ziehen.

Ap. (Jan APPEL) - Hamburg: Ich erkläre, dass ich bis zur Abfahrt nach Moskau ständig für die beiden Genossen eingetreten bin, und zwar deshalb, weil wir uns geschieden hatten vom Spartakusbund nicht über die Frage des Nationalismus, sondern wegen der Frage der Organisation, der Union oder Gewerkschaft und des Parlamentarismus. Deshalb standen wir zu L. und W. und in diesen Fragen stehen wir auch noch heute zu ihnen. Was uns trennt, ist die Frage der nationalen Verteidigung, die Frage der Landesverteidigung. Wir haben die erste kommunistische Adresse nicht als nationalbolschewistisch aufgefasst, wir haben dies Wort abgelehnt. Daraufhin griff der Spartakusbund uns an. Wir kamen nach Moskau, und erst da wurde uns die Broschüre «Kommunismus gegen Spartakismus» vorgelegt. Als wir das gelesen hatten, haben wir uns nicht besonnen zu erklären, dass danach Laufenberg und Wolffheim nicht mehr auf dem Boden des Klassenkampfes ständen. Das ist leicht zu beweisen. Die beiden Genossen erklären, dass das Ziel unserer Bewegung und Kämpfe die Einheit der Nation sein soll. Da sage ich: das ist nicht unser Ziel; dass wir nationale Tendenzen ausnutzen sollen, ist gewiss, das tut auch Radek. Aber wir sagen, und da sind wir Marxisten, nicht Ziel ist die Einheit der Nation, sondern die Herrschaft der Arbeiterklasse, und zwar nicht in einem Lande allein, sondern in der ganzen Welt. Dieses Ziel ist nicht nur vorhanden, wo die Arbeiterklasse die Macht hat, sondern auch in anderen Ländern. Damit haben wir zu rechnen. Deshalb sagen wir nicht: Einheit der Nation, sondern: Herrschaft des internationalen Proletariats. Das letztere wollen wir und darin unterscheiden wir uns von den beiden Genossen. Wohin man kommt, zeigt sich in den ganzen Broschüren und Artikeln. Ich gestehe ein, dass die Genossen L. und W. auch schon früher diesen Standpunkt vertreten haben, und es ist die Schuld aller Genossen, dass sie die Dinge nicht aufmerksam gelesen haben. Haben wir das jetzt aber einmal erkannt, dann sollten wir auch wissen, was wir zu tun haben.

Der verschiedentlich herangezogene Absatz aus der Broschüre «Demokratie und Organisation» hat uns zunächst abgestoßen. Er entsprach dem ganzen Stimmungsbild der arbeitenden Bevölkerung in Deutschland, der Sozialdemokratie; aber falsch war er, der hat der Ausgang des Krieges gezeigt. Man meint, dass man die Front hätte umschalten können. Das begreife ich nicht. Jeder, der Soldat war, weiß, dass das ein Unding war. Die Dinge Lassen sich nicht mit einemmale umschalten. So ist auch die Frage mit dem Burgfrieden zu bewerten. Wir hatten verstanden, dass man die Bourgeoisie betrügen sollte, indem man ihnen einen Burgfrieden vorgaukelte für den Fall, dass sie sich uns fügte. In demselben Atemzuge spricht Laufenberg von den Bauern; ihnen soll man ein Parlament zugestehen, damit sie aussprechen können, «wie sie sich die Sache denken». Gewiss muss man mit ihnen rechnen, aber dass wir ihre Auffassungen als die unsrigen anerkennen sollen, dagegen sträuben wir uns mit aller Entschiedenheit. Damit haben wir den Boden des Klassenkampfgedankens verlassen. Wenn man sich von dem Gedanken leiten lässt, die Einheit der Nation herzustellen, dann kommt man dazu, den Wünschen der Bourgeoisie Rechnung zu tragen. Logischerweise muss man Konzessionen machen und da sage ich, dass, wenn wir von unseren Grundsätzen abweichen, um gewisse Ziele zu erreichen, wir keine Kommunisten mehr sind. Der Genosse R. (Rasch) wies schon darauf hin, dass in der letzten Zeit sich das Bürgertum schon in Sicherheit wiegt. Das sollte den beiden Genossen zu denken geben. Sie sollten sich sagen: wir können uns auch irren. Meint doch nicht immer, ihr wärt Päpste! Man soll aus den Vorgängen aus Thal und Marburg lernen. Wenn man die Interessen der Arbeiterschaft vertreten will, muss man auch einsehen können, dass man sich auch irren kann. Es kann jeden Augenblick zu einem nationalen Krieg kommen. Wer hat die Führung der Armee alsdann in der Hand? Es werden Offiziere sein. Wenn man in diesem Augenblick die Heeresleitung beseitigen will, dann haben wir den Bürgerkrieg.

Wir werden wohl mehr auf unsere eigenen Kräfte angewiesen sein. Die große Masse des Proletariats wird sich dann ohne weiteres der «gegebenen Heeresleitung» fügen. Dann könnt ihr noch so viel geschrieben haben, die Arbeiter werden genau wie 1914 gegen die Schwarzen kämpfen unter der Oberhoheit von Ludendorff und Hindenburg. Wenn wir die Tatsachen nicht sehen wollen, sind wir entweder blind, oder man glaubt, durch Kunststücke zur Macht des Proletariats zu gelangen. Es ist einfach nicht wahr, dass das Machtgefühl der Bourgeoisie von heute auf morgen verschwindet. Laufenberg spekuliert darauf, dass große Massen des Bürgertums verarmt sind. Sie sind aber noch keine Proletarier. Wenn wir den Weg der Geschichte nicht verstehen können, sollen wir davon ablassen, das Proletariat auf Irrwege zu führen. Jeder Arbeiter wird auf die Frage, ob großdeutsch, ob kleindeutsch nach seinem proletarischen Instinkt antworten: die Hauptsache ist, dass meine Lage verbessert wird. Und die Lage wird dadurch verbessert, dass das imperialistische Kapital vernichtet wird. [Bravo!]

R. (RASCH) - Berlin: Es ist bereits 5 Uhr durch. Der Saal steht uns heute nicht langer zur Verfügung. Ich bitte, morgen früh pünktlich um 9 Uhr wieder hier zu sein. Ich erkläre die heutige Sitzung für geschlossen.